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Folge 64: DJ der Dichtung

Folge 64: DJ der Dichtung

61m 8s

Hans Thill ist ein Dichter in der Nachfolge der Surrealisten, der „Oulipo“-Bewegung und der experimentellen Poesie. Deren Texte sind nicht nur Übungen im (manchmal durchaus auch formal strengen) „Leichtsinn poetischen Formulierens“, sondern auch literarische Übungen in der Erforschung des Bewusstseins und des Unbewusssten.

In „Karaoke 2“ spielt Hans Thill wie ein DJ der Dichtung, wie Rapper, wie Free-Jazzer oder Sampling-und ReMixer mit vorgefundenem musikalischen Material umgehen, mit vorhandenem lyrischem Material vom Barock bis zur Gegenwart. Wie Musiker Melodieinseln als Ausgangsmaterial für ihre freien Improvisationen benutzen, benutzt Hans Thill einzelne Zeilen (nicht nur) bekannter vorhandener Gedichte als Ausgangsmaterial der Inspiration zum...

Kostprobe: Die alltägliche Banalität des Bösen

Kostprobe: Die alltägliche Banalität des Bösen

26m 52s

Ginsterburg – eine fiktive deutsche Kleinstadt, malerisch gelegen am Wolfsberg. Klein genug, dass jeder jeden kennt. Groß genug um als Modell die Entstehung und Funktionsweise der Barbarei des Nationalsozialismus zu illustrieren.

Arno Frank zeigt die Entwicklung seiner Figuren in drei Zeitabschnitten: 1935 – 1940 – 1945.

Der Roman beschreibt Menschen, die uns vertraut sind: Profiteure und Mitläufer, Angepasste und Ausgegrenzte. Er macht sichtbar, wie wenig Druck nötig ist, wenn es nur darum geht, es bequemer zu haben oder zum ersten Mal Macht über andere zu besitzen. Hinter der gemütlichen Fassade lauert der Abgrund. Mit filmischem Blick und großer erzählerischer Kraft...

Folge 63: Lakonische Levitationen zwischen nouvelle vague, Poesie und Politik

Folge 63: Lakonische Levitationen zwischen nouvelle vague, Poesie und Politik

53m 57s

Marcus Braun ist ein Autor von Romanen und Theaterstücken. Er wurde 1971 in Bullay an der Mosel geboren, lebte lange Zeit in Berlin und ist seit zwei Jahren wieder in seine Heimat zurückgekehrt.

Wenn es nicht total veraltet und abgenutzt wäre, könnte man das früher häufig gebrauchte Klischee von den „Stillen im Lande“ aus der Mottenkiste kramen: Marcus Braun ist eher leise, zurückhaltend, nachdenkend, skrupulös, zweifelnd, lakonisch, langsam. Aber unter dieser Oberfläche phantasievoll, witzig, schräg, poetisch, kritisch, politisch, experimentierfreudig.

Und so sind auch seine Romane: poetisch, lakonisch, witzig bis zu schrägen Kalauern, flirrend, sehr filmisch wie das französische Kino der...

Kostprobe: Blinde Därme, dichtende Heiler und malade Poeten

Kostprobe: Blinde Därme, dichtende Heiler und malade Poeten

22m 5s

Jakob Leiner ist ein junger Arzt und Autor, geboren in Bad Dürkheim, aufgewachsen in Landau, der heute in Freiburg lebt. Er schreibt und veröffentlicht vor allem Gedichte, arbeitet auch als Übersetzer und als Herausgeber.

Seine neueste Veröffentlichung versammelt auf 280 Seiten „Gedichte von Heilenden und Kranken aus 500 Jahren“. Jakob Leiner hat sechs Jahre an der Vorbereitung dieser Anthologie gearbeitet. Ihre Gedichte spannen einen weiten Bogen über das Thema von Sebastian Brants Text im „Narrenschiff“ über unfolgsame Kranke bis zu Clemens J. Setz' Abgesang auf seinen verschwundenen Tinnitus.

Die Gedichte spiegeln alles wider, was zur jeweiligen Zeit stattgefunden hat –...

Kostprobe: Hellsehen und Dunkelraunen „Das elfte Gesicht“

Kostprobe: Hellsehen und Dunkelraunen „Das elfte Gesicht“

32m 24s

Josefas Leben als Assistentin in einem grauen Vertriebsbüro kann ziemlich trist sein. Dank ihrer Freundin Kristina findet sie Ablenkung, denn beide teilen die Faszination zu funkelnden Kristallen und Orakeln; so versuchen sie auch die Absichten des geheimnisvollen Albert zu ergründen, den Josefa nicht vergessen kann.

Josefas Begeisterung geht so weit, dass sie sich schließlich in einer Gruppe spiritueller Menschen wiederfindet, die jedoch plötzlich immer weiter abdriften: Was als Ablehnung von Masken und Impfungen während der Corona-Krise beginnt, steigert sich schließlich sogar bis zur Verteidigung von Verschwörungstheorien. Das geht zu weit! Doch wie kommt man aus dieser Szene wieder raus?

Eine...

Folge 62: „Klar wie Asche“ oder „Übersetzen ist das falsche Wort für eine Sache, die es nicht gibt!“

Folge 62: „Klar wie Asche“ oder „Übersetzen ist das falsche Wort für eine Sache, die es nicht gibt!“

55m 15s

Vor mehr als dreißig Jahren hat das Künstlerhaus des Landes Rheinland-Pfalz in Edenkoben das Format „Poesie der Nachbarn – Dichter übersetzen Dichter“ entwickelt, das mittlerweile Nachahmer in der ganzen Welt gefunden hat.

Das Konzept: Deutschsprachige Lyriker und Lyrikerinnen treffen sich einmal im Jahr mit Dichterinnen und Dichtern aus einem europäischen Nachbarland in einem mehrtägigen Workshop, um deren Texte zu übersetzen. Unmittelbar danach folgen gemeinsame Lesetermine auf Veranstaltungen in der Region und ein Jahr später erscheint eine Anthologie der Originaltexte und ihrer Übersetzungen.

Zum ersten Mal waren im vorigen Jahr Lyriker und Lyrikerinnen aus Tschechien zu Gast. Einige von ihnen und...

Kostprobe: Vom Schreiben, Zuschreiben und Überschreiben

Kostprobe: Vom Schreiben, Zuschreiben und Überschreiben

25m 56s

In Ursula Krechels neuem Roman geht es um Mütter und Söhne, um Gewalt, Macht und Ohnmacht, um Politik und weibliche Autorschaft. Das Erzählen selbst wird zum Thema und zielt als Möglichkeitsraum mitten hinein in unsere Gegenwart.

Im Zentrum des Geschehens stehen drei Frauenfiguren: die Verkäuferin Eva Patarak, die Lateinlehrerin Silke Aschauer und die Justizministerin. Die Schicksale dieser drei Frauen sind auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden. Eva Patarak fühlt sich von Silke Aschauer verfolgt und befürchtet, diese wolle ein Buch über sie schreiben. Zudem wird die Geschichte Agrippinas erzählt, die ihr Sohn Nero hat töten lassen. Dabei spielt vor allem die...

Extra: Willi Wacker ist tot.

Extra: Willi Wacker ist tot.

34m 10s

Er war ein Freund auch von mir, viele Jahrzehnte lang. Freund, Gefährte, Compagnero, Mitarbeiter, ungemein hilfreicher Kollege bei meinen Filmen und Radiosendungen aus Nicaragua.

Willi Wacker ist tot. „Willi Wacker“ hat er sich manchmal genannt, manchmal als nom de plume, manchmal augenzwinkernd selbstironisch die Mühen der Berge und Ebenen kommentierend, über die er den Sisyphosstein seiner Arbeiten für die nicaraguanische Revolution rollte. Mühen, die in den letzten Jahren immer mühsamer, gefährlicher und deprimierender wurden unter dem autokratischen Regime Ortegas. Diesem Hurensohn (ach, nein, wir wollen die Sexarbeiterinnen nicht beleidigen, auch nicht die Hunde) also: dieser Canaille, dem Usurpator, der die...

Folge 61:

Folge 61: "V'herbe"

60m 41s

„V`herbe“ ist ein französisches Wortspiel: „herbe“ – also Kraut, Pflanze… setzt man ein „V“ davor wird daraus das Wort „Wort“, „Verb“.
Und das drückt ziemlich genau aus, was Claudie Hunzinger in ihren Büchern macht: Pflanzen, Kräuter, Wald, Tiere, Natur in Wörter verwandeln.
Literaturjournalistisch heißt das nun neudeutsch-denglisch: „Nature Writing“. Als ob es das nicht schon immer gegeben hätte – von Ovids Metamorphosen über „Walden“ von Theroux und Stifters „Hochwald“ bis Esther Kinskys „Am Fluss“ und unzählige andere in der Literaturgeschichte aller Länder.

Zunächst habe ich mich über die hochgestochene Formulierung des Titels gewundert: Als ob die Autorin mit einem Hund...

Extra: Pimmel über der Wüste

Extra: Pimmel über der Wüste

10m 49s

Paul Frederik Bowles wurde am 30. Dezember 1910 in New York geboren.

Den Namen haben Sie noch nie gehört? Doch, doch! Sie haben es nur vergessen! Es ist der Autor des Romans „Himmel über der Wüste“, den Bertolucci 1990 verfilmt hat; und den Sie wahrscheinlich gesehen haben?

Er hat noch viel mehr geschrieben: 17 Bände mit Short-Storys, 7 Romane, 4 Gedichtbände und sehr viel übersetzt. „Himmel über der Wüste“, im Original, „The Sheltering Sky“, war sein erster Roman. Geschrieben hat er ihn 1947/48 in Tanger, wohin ihm bald etliche Autoren folgten: Tennessee Williams, Truman Capote, William S. Burroughs, Jack Kerouac,...