Kostprobe: „Urgeschichtsfaschisten“ Juliette Pary: „An die Deutschen“

Shownotes

Juliette Pary wurde 1903 als Julia Gourfinkel, Tochter einer intellektuellen assimilierten jüdischen Familie, in Odessa geboren. Seit den zwanziger Jahren lebte sie überwiegend in Paris und veröffentlichte in französischer Sprache Romane und Reportagen. Sie übersetzte aus mehreren Sprachen ins Französische.
In Deutschland blieb Juliette Pary lange unbekannt.
Ihr einziges auf Deutsch verfasstes Werk, der Gedichtband „An die Deutschen“, wurde erst 2025 wiederentdeckt und neu veröffentlicht von dem Mannheimer Literaturwissenschaftler und Übersetzer Andreas Kelletat.
Die Gedichte dieses Bandes sind formal konventionell und an Heinrich Heines romantisch-luftig perlendem Stil orientiert. Ihr Inhalt jedoch ist schockierend hart bis aggressiv, tief verletzt von den Erfahrungen der Shoah, eindringlich geprägt von Rachegedanken und Klagen über die Verbrechen der Deutschen an den Juden.
Kerstin Bachtler stellt den Gedichtband auf podcastliteratur.de vor

Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich willkommen zum Podcast Literatur von Theo Schneider und der Volkshochschule Kaiserslautern, heute mit einer Kostprobe von Kerstin Bartler.

00:00:09: Es ist eine literaturwissenschaftliche Sensation – und gleichzeitig ein Skandal!

00:00:14: Am zwölften September, twenty-fünfundzwanzig erscheint erstmals in Deutschland ein Lyrikband mit Gedichten die schon achtzig Jahre zuvor geschrieben und nineteenhundertsechsundvierzig bereits in Paris veröffentlicht wurden.

00:00:28: Es sind Gedichte in deutscher Sprache, der Titel des Bandes Andi-Deutschen.

00:00:33: Darin stehen wortgewaltige lange Fersriemen voller Rachegedanken und auch kurze Vierzeiler die der Wucht der langen Gedichte im Nichts nachstehen sowie dieser Ich bin eine rechende Judenstimm Die aus eurem Mord erstellt Und ich spreche zu euch In eurem Deutsch Damit ihr mich gut versteht.

00:00:55: Die Autorin stammt aus Odessa, sie ist Jüdin und nennt sich später Juliette Paris.

00:01:01: Sie beschreibt in ihren Gedichten sehr drastisch die Nazi-Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung – das Elend der gequälten und getöteten Menschen.

00:01:10: Ihr Gedicht Deutschen Traum fasst ihre Mission Zeugnis zu geben zusammen.

00:01:16: Mir träumte vom Mann.

00:01:17: welcher trug den Korb vor Lehm der geworden Trocken.

00:01:21: Die rundlichen Stücke waren gelb rot, vermischt mit dem was Menschen in Not geblutet und erbrochen.

00:01:28: Der Lehm war eigentlich ein Buch – ich las es mit lauter Stimme!

00:01:33: Die Leute hörten alle zu.

00:01:35: Der Mann mit dem Korb war ein Greiser Jude der viel von den Deutschen gelitten.

00:01:41: Es war die Geschichte des deutschen Volks.

00:01:43: Der Leben war die Seele der Deutschen vermischt mit Blut und Mitgrausamkeit, Und vertrocknetem Kot und Erbrochenheit und Übel-und Schwindel und Peitschen.

00:01:55: Doch tiefer unten, sagte das Buch viel tiefer unter dem Lehme bleibt unversehrt was rein und gut Was unvermischt mit vergilptem Blut der verruchten verfähmten Seele.

00:02:11: Texte wie dieses Gedicht sind wichtige Zeugnisse Der deutschen Holocaust.

00:02:15: lürig Doch sie wurden entweder vergessen oder absichtlich vor der Öffentlichkeit verborgen – bis jetzt.

00:02:22: Der Literaturwissenschaftler Andreas Kellethat aus Mannheim hat den Band an die Deutschen im Mannheimer Persona-Verlag herausgegeben, einem Verlag, der sich auf unbekannt gebliebene Exiliteratur spezialisiert hat.

00:02:35: Juliette Paris wird in der heutigen Ukraine geboren.

00:02:41: Damals heißt sie noch Julia Gurfinkel.

00:02:43: Ihren Künstlernamen, Juliette Paris, wählt sie erst später.

00:02:48: In ihrem Elternhaus gibt es eine französische und eine deutsche Guvernante – Sie bringen ihr ihre Sprachen bei!

00:02:54: Vor allem in die deutsche Sprache, insbesondere in die Lyrik verliebt sich Juliette schon als kleines Mädchen, sagt Herausgeber Andreas Kellettert.

00:03:03: Sie konnte deutsche Gedichte auswendig schon mit zehn, zwölf Jahren hunderte.

00:03:09: Von Heinrich Heine aber auch von Goethe und später auch von Werfel ist eine große Bewunderin nicht Deutschlands, nicht des deutschen Reiches oder der Preußen sondern der deutschen Poesie.

00:03:20: Heinrich-Heine – Der Deutsche Dichter mit jüdischen Wurzeln wird Juliette Paris zum Seelen verwandten.

00:03:26: Heine hat Paris als zweite Heimat gewählt genau wie Juliette die sich deswegen Paris auch wenn sie ihren Künstlernamen nicht wie die Stadt schreibt, sondern am Ende mit Y. Die Liebe zu Heinrich Heine ist einer der Gründe, warum Juliette Paris ihre lyrischen Texte in deutscher Sprache verfasst – das erklärt Sie in einem Gedicht.

00:03:48: Dass ich Gedichte schreibe auf Deutsch, das ist für euch ein Fluch!

00:03:52: An einem jüdischen Poet war euch noch nicht genug... An einem jüdischen Poet der Deutsche Ferse schrieb, die euch ins Herz hineingehauen – seinen Hass und seine Lieb.

00:04:04: Ihr sagt sein Dichten sei nicht Deutsch, sagt dass es Mauscheln sei, sagt das ist nicht für Arya Leut und singt seine Lorelei!

00:04:15: Ich weiß nicht was das als bedeutet….

00:04:17: Es wird mir schwer dabei … Denn Heines Dichtung bleibt Deutsch bis in alle

00:04:23: Ewigkeit.".

00:04:24: Es wird mir schwer und schreckhaft süß, es ist für mich ein Fluch das ich in dem verfluchten Deutsch Gedichte schreiben muss.

00:04:32: Bin auferstanden aus dem Volk dass ihr erschlagen habt um euch zu sagen dass es nie eine Judenfrage gab.

00:04:41: Die jüdische Frage ist nur ein Teil wie die deutsche Frage auch von der einen Frage die man stellt an die Menschheit überhaupt Von der einen einzigen großen Frage, ob die Menschheit nicht verreckt.

00:04:54: Ob sie nicht einmal für alle Mal versinkt in Blut und Dreck?

00:04:58: Ob Mozart umsonst gemacht Musik?

00:05:01: Ob alle Dichtung rauch?

00:05:02: Ob umsonsten der Wolfgang Goethe schrieb – Und Herr Heinrich Heine auch!

00:05:08: Mir wachsen Flügel Weiß-und weit Doch die Füße stecken in Dreck.

00:05:14: Ich muss zum Sterben sein bereit Bis der Adolf Hitler verreck't Bis das Volk der Welt in geschlossenen Reihen alle Nazis erschlagen hat.

00:05:23: Bis das deutsche Blut bespritzt, Das Gestein in jeder fränkischen Stadt Und in jeder Stadt des Rosenlands und der Länder Süd-und Nord Wo ihr meine Freunde erschossen habt und begangen Mord auf Mord.

00:05:36: Wollt ihr werden frei von dem Hitlerfluch?

00:05:39: müsst ihr wissen was er bedeutet.

00:05:41: Ihr seid eine der Stimmen des Menschentums!

00:05:44: Ihr die ihr redet Deutsch.

00:05:46: Euch zerrert hinab die deutsche Nacht, das urdeutsche Wotantier.

00:05:51: Das die Menschenseel zu verschlingen tracht in germanischer Geilagier.

00:05:56: Hunderttausend Jahre Koch und Flug von der schwarzen Erdenbrust – das Menschentier, das Germanentier – empor zur Höchsterlust!

00:06:05: Zu Goethes Faust?

00:06:06: Zur Schillers Fers?

00:06:07: Zu der kleinen Nachtmusik?

00:06:10: Doch der Flug erlarmt und der Drache fällt auf die schwarze Brust

00:06:13: zurück.".

00:06:15: Erinnert euch, als Goethe starb bat er um Licht mehr Licht.

00:06:20: Er reichelt zwischen Licht und Nacht göttliches Gleichgewicht.

00:06:25: Jedes Menschenvolk und Menschenkind die Waage hält dafür.

00:06:29: Wir Deutschen und Juden am meisten sind beflügelt und vertiert.

00:06:34: wir sollen erreichen das gleich Gewicht.

00:06:36: es ist ein Höchsterlass darum.

00:06:39: zwischen uns die große Lieb Darum der Große Hass.

00:06:44: Ich fühl mich schwanken schwer in Blut, ich weiß was es bedeutet.

00:06:48: Darum ihr Deutschen und Juden.

00:06:51: darum schreib' ich Gedichte

00:06:53: Deutsch.".

00:06:56: Giliette Paris Verährung für Heinrich Heine.

00:06:58: hört man ihren Gedichten auch formal an?

00:07:00: Sie erinnern oft an den typischen Heineton mit vierhebigen Fersen ganz ähnlich der sogenannten Romanzenstrophe die Heine mit seinem Buch Der Lieder berühmt gemacht hat.

00:07:11: Es fällt auf, dass Juliette Paris fast alle ihre Gedichte formal nach diesem Schema gestaltet und dennoch wirkt die Lektüre nicht monoton da sie immer wieder mit virtuosend deutschen Wortschöpfungen verblüfft.

00:07:23: Flugzeugrecher Urgeschichtsfaschisten Menschen himmligt Sonnenschwerterlied Mordsturmstaffel Bergesgipfel-Dichtungshöhe Allerweltenfreiheitskämpfer Marmor strahlend Freut berückt, schwarz-braun-gelb blutig.

00:07:45: Das sind nur einige wenige Beispiele.

00:07:47: in ihrer Lyrik finden sich noch viel mehr.

00:07:50: Doch Juliette Paris schreibt nicht nur deutsche Gedichte – sie wird Übersetzerin aus dem französischen und englischen und verfasst zwei Romane.

00:07:58: Sie zieht zunächst mit ihrer Schwester nach Paris ………... Kurze Zeit später flieht sie selbst in die Schweiz.

00:08:12: Dort wird sie als Reformpädagogin bekannt, veröffentlicht Sachbücher zum Thema Erziehung.

00:08:18: Angeregt wurde sich schon vorher durch den Kontakt mit dem Genfer-Reformpädagogen Adolf Ferrier.

00:08:24: Gemeinsam mit ihrem jüdischen Ehemann Isaac Pugatsch engagiert sie sich im größten jüdischen Kinderhilfswerk – das versuchte, jüdische Kinder durch die zunehmende Bedrohung durch.

00:08:36: Sekretärin der Organisation in Paris war damals Hannah Arendt.

00:08:42: Während dieser intensiven Arbeit schreibt Juliette Pari weiter ihre deutschen Gedichte.

00:08:47: Sie sind Ausdruck ihrer Verehrung für die deutsche Sprache, aber inhaltlich rechnet sie darin mit den Deutschen Mörder-Horden ab wie sie die Nationalsozialisten nennt.

00:08:56: Ein besonders drastisches Gedicht trägt den Titel Herbst.

00:09:02: Es handelt vom Schicksal vier jüdischer junger Mädchen die in ein Lager verschleppt werden.

00:09:09: Mit Irene, Hannelore mit René und Ruth lagen wir uns sahen und hörten wie das Grüne tut.

00:09:16: Und sie sangen deutsche Lieder.

00:09:18: süßes Herz, Adé flüstert Ruth mit Trauermine habe Heimat's Weh!

00:09:24: Und es war wie in Romanien, die ich back für Schlaas.

00:09:27: nur dass aus dem Hungerlager jedes Mädchen kam Nur dass Hitler sie aus Baden alle hat verbannt.

00:09:34: Sonst war es ganz wie in Romanen im Jungmädchenland.

00:09:38: Die Irene machte Augen, kokettierte süß.

00:09:41: Zu dem Stimmchen Lieder taugen Fließ mein Bechlein fließ Deutscher Burschen.

00:09:46: liebes Verben Trautes deutsches Land Heut verbandet morgen sterben Stacheldraht ist scharf Stacheldraht isst scharf und zäh Wund und wehe tut Der René und der Irene Hannelur und Ruth Aus dem Lager freigelassen Nur zwei Monat lang, wurden bald aus Frankenlande wieder weggejagt.

00:10:09: Weggejagd zum Polenreiche in dem Todeswind.

00:10:13: Kind ohne Mutter, ohne Vater, Mutter ohne Kind!

00:10:17: Wandere, wandere Judenmädel, geh wo man dich wirkt!

00:10:21: Sing das süße Lied, Irene!

00:10:23: Fließ mein Bechlein, fließ, flies mein Bechtlein.

00:10:26: Bald, balde, fliese.

00:10:28: Naziblut In dem Wieslein, in dem Walde Rausche dwutern wut.

00:10:35: Im Romanen Liederwane im Jungmädchenland hat ich Kind dich nicht geahnet liebes deutsches Land!

00:10:43: Mit Irene, Hanelore mit René und Ruth flohn wir und sahn und hörten wie das Deutsche tut.

00:10:53: Diesem Gedicht liegen persönliche Erinnerungen der Lyrikerin zugrunde.

00:10:57: Am Zweiundzwanzigsten Oktober, nineteenhundertvierzig hatten die Nationalsozialisten sämtliche jüdischen Familien aus Baden der Pfalz und dem Saarland nach Frankreich deportiert.

00:11:07: Mehr als viertausend Menschen kamen dort in Lager von denen sie später weiter nach Auschwitz gebracht wurden.

00:11:14: Juliette Paris kam in die französischen Lager und versuchte Jugendliche zu befreien.

00:11:19: Andreas Kellett hat

00:11:20: Und die wurden dann so abgelegen Schlössern im Süden Frankreich untergebracht haben dort Unterricht bekommen.

00:11:26: Aber es gab dann eine Aktion der französischen Polizei, sodass auch diese Lager gestürmt wurden.

00:11:32: Und die Jugendlichen sind verhaftet worden und nach Paris und danach auschwitzgeschafft worden.

00:11:37: Ich weiß nur, dass Juliette Paris dort Menschen gerettet hat.

00:11:41: Sie ist mit einem Mädchen in die Schweiz geflüchtet.

00:11:44: Das hat sie als Adoptivtochter ausgegeben.

00:11:47: Die hat dann auch dort in der Schweiz überlebt – den Holocaust.

00:11:50: Juliette paris belastete das Schicksal der verfolgten und ermordeten Judensee.

00:11:55: Mehrfach spricht sie davon, dass sie Angst habe verrückt zu werden.

00:11:58: Sie leidet unter Schlaflosigkeit.

00:12:01: Ihr Gedicht Grausnacht widmet sich diesen Gefühlen – hier ist die zweite Strophe!

00:12:08: Ich zünd an das Licht und zu schreiben Es ist noch halbe Nacht.

00:12:12: Es hat sich mir ereignet Eine sehr kurioses Sach.

00:12:16: Ob gleich ich genommen pillen Um zu schlafen.

00:12:18: fest und tief haben alle Grausgeschichten, die man gestern auf Deutsch berief.

00:12:23: Haben alle Grauzgeschichten mich in dieser Nacht umfratzt?

00:12:28: Die Katze war eine Dichtung!

00:12:30: Die Dichting war ein Katz!

00:12:32: Ich habe es wahrlich geglaubt, dass sie gemacht.

00:12:34: Miao im halben Schlaf und Traume hört ich dem Stöhnen zu.

00:12:39: Ich glaubte auch das da sauste ein Luftzeug über den Kopf Ein riesiges Geister-Brauszeug Das im schwarzen Himmel flog.

00:12:48: Dann merkte ich dass ich nur träumte und das sich in Fersen gerät.

00:12:54: Drei Mal hat sich von der Katze wiederholt, das Gedichtgespräch!

00:12:59: Und nur vor dem dritten Male – von dem Male des kam zuletzt – habe ich schaurig graus behalten den ersten und letzten Vers.

00:13:06: eine sehr kurioses Sache.

00:13:08: Man kann werden davon verrückt.

00:13:11: Ich weiß, daß die Deutschen es machen.

00:13:13: Sie schneiden Menschen in Stück.

00:13:15: sie haben Juden zerschnitten seitdem sie im Ungarland Dreihundert und fünfunddreißig tausend Juden umgebracht.

00:13:23: Dreihundert und fünfund dreißigtausend in zwei Monat Zeit!

00:13:28: Jetzt gehen wir die Deutschen schneiden, Grinsenfraß hat genug gegeilt.

00:13:32: Aus der Grube im Wälchenwalde, wo die Mordsturm-Staffel getrohnt, Hat man ohne Ohren und Nase meinen Freund herausgeholt – In den Gruben von allen Ländern, Im Vernichtungslagergestank.

00:13:44: Millionen von Frauen und Männern sind verhungert vergast verbrannt.

00:13:50: Hoch über den deutschen Städten, feurig schwarz umkreist und flammt, brausen Bomben Flugzeugrecher, neuer Welt- und Engellands!

00:13:59: Alle blutigen Erdengeister aller Seelen aller Land haben mich umnaht, umweitert, umstöhnt, umdrönet, umspannt.

00:14:08: Ich schreibe seltsame Worte – sie kommen ich weiß nicht von wo.

00:14:13: Die Geschichte vom Schornstein macht mich gestern lachen

00:14:16: so.".

00:14:18: Die Geschichte von dem Hänzchen, der das Gruseln lernen geht.

00:14:22: Ich gescheites bewusstes Gänschen habe jetzt das Grußeln gelernt – bin wahrscheinlich weit mehr sensibel als ich dachte und habe gehört!

00:14:31: Nicht umsonst befiehlt die Bibel dass man Geister nicht beschwöre.

00:14:35: Hätte ich nicht die Dichtungsgabe dann wäre ich jetzt verrückt.

00:14:40: doch ich hab sie und weil ich sie habe fürcht' ich nicht den Menschen Stück.

00:14:45: Fürchte nicht die deutschen Martern, den germanischen Grinsenfraß.

00:14:49: Wir werden gehen und sie schlagen!

00:14:52: Grinse nicht du fratzen Katz aller Welten Freiheitskämpfer tötet braune Hitlerheit auf.

00:14:58: das im menschlichen Wesen erstehe der heilige Geist.

00:15:06: Juliette Paris setzt sich nicht nur für jüdische Menschen insbesondere Kinder- und Jugendliche ein.

00:15:11: einige ihrer Gedichte überraschen durch eine beinahe feministische Sicht.

00:15:16: Mit der ihr eigenen Wut prangert sie die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern an und fordert vehement Gleichberechtigung, Und ein Ende des Patriarcharts und der Gewalt gegen Frauen.

00:15:28: Es dichtet und zaubert schwer und wirr – es quillt und quilllt und geistert!

00:15:33: Es redet dringend und lang zu mir von vielen Vergangenheiten.

00:15:37: Im Traumgewühl höre ich plötzlich gut Erklingen den Satz im Deutschen Eine scharfe Mannesstimme ruft, ich muss das Weibchen peitschen.

00:15:48: Oh!

00:15:48: hab' ich noch immer tief in mir die schändlichen Grausamkeiten?

00:15:51: So hör mich mann', du schlimmer als Tier!

00:15:55: Ich lass dich das Weub nicht peitschn'.

00:15:57: Du hast es gepeitscht, viel tausend Jahr geschändet und gebrochen, seitdem du gebeugt die Mutterschaft unter der Väter

00:16:04: Joche.".

00:16:05: Zerstört ist die Weisemutterschaft, wo alle Menschenkinder ins Gemein gelebt, ins Geheim geschafft, verjocht versklavt vermindert.

00:16:14: Die Menschheit zerfiel in Hälften zwei – zwei Hälfte, die grausam hadern!

00:16:20: In Mann und Weib, in Arm und Reich.

00:16:23: Und die eine peitscht die andere.

00:16:25: Durch die ganze verruchte Kriegerei der Reiche peitschte den Armen Der Herdins klarv, der Mann das weib, der Vater die Mutterarme.

00:16:34: Gepeitscht, geprellt, erdrückt, erpresst, geschändet und ausgebeutet.

00:16:38: Erniedrigt entwürdig verrenkt, verzerrt, entleert von Sinn und Freude.

00:16:43: Versklaft ist das menschliche Geschlecht – das man nennt das weiblich Weiche!

00:16:48: Aus den Müttern groß, gesund gerecht sind geworden verpeitschte Weibchen.

00:16:53: Aus den Kindern die das Brot geteilt in Gemeinnem Gut und Schaffen Sind geworden unter der Herrenpeitsch geduckte Elendesklaven.

00:17:02: Darum des arischen Herrn der Welt schändlich Freches getute.

00:17:06: Der Deutsche will morden, den Jud und Weltsch, der Hengst will mordern die Stute!

00:17:11: Darum die Martan, darum die Pein, darum Die eiserne Route.

00:17:16: Das Peitschen-und das Gepeitschetsein steckt uns noch tief im Blutte.

00:17:20: Es wird vergehen so manches Geschlecht Bis der Vater erkennt die Mutter.

00:17:25: Bis das Schiefe wird gesund und recht Das Geteilte zum Allgemeingute Bis versiegt in uns, die geile Lust zu quälen und sein Gequälet.

00:17:33: Bis das Unbewusste wird bewusst Und geläutert der Schlamm der Seele.

00:17:39: Bis man schlägt nicht tot In warnes Wut Die menschlichen Millionen.

00:17:44: Ninzehnhundert Jahre nach der Geburt des Mannes Dessen Bilder tronen Des Manns Der in lieblichem Wort gesagt Wie andereweise Männer Dass die Mutterschaft gleicht der Vaterschaft Und der Sklave seinem Herrn.

00:17:58: Er gleicht ihm hier und ergleicht ihm jetzt, Heg et Nunk in schönstem Diesseits.

00:18:04: Nicht nur in der Engelgeisterwelt des Jenseits Paradieses!

00:18:09: Die Männer die man Propheten genannt und die nicht auf Bildern drohen, die haben es verkündet mit Feuerkraft – doch wir müssen's halt wiederholen?

00:18:18: Wir müssen's verkünden noch einmal und noch viele tausend Male.

00:18:22: Wir müssen umschaffen in Neugestalt die verzerrten Menschengeschlechter.

00:18:32: Er töten gewaltig, die Gewalt begraben das Ungerechte!

00:18:36: Die Menschheit steckt in Gefangenschaft, doch es kommen neue Zeiten.

00:18:40: Du Mann du rufst umsonst in der Nacht.

00:18:43: ich lass dich die Frau nicht peitschen.

00:18:46: Ich weiß du möchtest sie und Dich erniedrigen und schlagen.

00:18:50: wir lassen Nicht tun dass untere ich.

00:18:52: wir Lassen Nicht tun die Nazis.

00:18:55: Ich reiß dir die Peitsche aus der Hand, ich und meine Genossen.

00:18:58: Wir schwingen sie hoch und sie saust herab auf alles was das Recht verdross'n!

00:19:03: Sie saust hier ab mit Graus-und Braus auf Alles falsch und Böse.

00:19:07: Sie peitscht aus der Welt die Schand heraus – und es kommt das große Genesen.

00:19:12: Der Mann bedrückt nicht mehr das Weib, den Armen nicht der Reiche.

00:19:18: Der Herr nicht den Sklaf?

00:19:19: Es wird ein Reich aus allen Vereinten

00:19:22: reichen!".

00:19:23: Dann leben in Frieden im Volk der Welt, das Weltsche mit dem Deutschen.

00:19:28: Das jüdisch und arisch, das schwarz-und weiß.

00:19:31: Dann gibt's nicht mehr die Peitsche!

00:19:34: Das Weib ist frei – Nicht Göttern nur, auch Männern ebenbürtig.

00:19:39: Der Sklaf entsklaft Gemeindergut, der Mensch des Menschstums würdig.

00:19:44: Vereins sind die Hälften, die geteilt Und die Schwer einander verdrossen.

00:19:49: Ein.

00:19:49: jedes bleibt und wird doch eins zum Kreis zusammengeschlossen.

00:19:54: Vereinet sind der Leib und der Geist, vereint die Götter und Weisen – Und es lebt sich freudig und hell-und frei im himmlischen Erdenreiche!

00:20:06: Die Grillenzirpen in Nächte schwerz.

00:20:09: bei elektrischem Lampenlichte habe ich hingeschrieben in deutschem Fers einen Abriss von

00:20:15: Weltgeschichte.".

00:20:18: Damit sich die Verhältnisse ändern können, damit Gleichberechtigung und letzten Endes auch Frieden möglich sind ist für Juliette Paris eine Voraussetzung unbedingt notwendig.

00:20:28: Und das ist Bildung!

00:20:29: Sie hat selbst am eigenen Leib und vor allem im eigenen Geist erlebt wie die Kenntnis verschiedener Sprachen und Kulturen ihren Horizont erweitert hat.

00:20:38: Der Kontakt mit dem Fremden, in welcher Form auch immer, seien es Menschen, Bücher, Landschaften oder die Philosophie an sich haben in ihr immer freundliche Neugier geweckt.

00:20:49: Sie wollte niemand des Feind sein – ausgenommen natürlich die mörderischen Nazis!

00:20:54: Die Literatur war eine ihrer wichtigsten Quellen für Bildung und sie war ihr ein beständiger Trost.

00:21:00: Im folgenden Gedicht huldigt sie den großen deutschen Dichter- und Denker Goethe.

00:21:05: Das Ende von dem zweiten Faust, das Nachspiel, das Berühmte war meinem Hunger Haus und Schmaus in größten Augenblicken.

00:21:14: Als ich in schwarzen Schluchten lag verkleinert und verloren.

00:21:18: der Vater Mystikus mir sagt Du wirst wie neu geboren.

00:21:23: Ich habe Sinn nach Sinn durchglüht Und Wort nach Wort entblättert.

00:21:28: Die Keule hat zerschmettert mich Der Blitz hat mich durchwettered Als mir das Wotan Hitler-Tier, die Tochter nehmen wollte.

00:21:36: Hab ich den Faust gelesen ihr?

00:21:38: Die Wunderholdenworte!

00:21:40: Ich hab' den FaUST gelesen Ihr – die Worte Wunderholde.

00:21:45: Auf welcher Straße?

00:21:46: deutsches Tier mit deutschen Waffen rollte In Lagern.

00:21:50: deutsches Nazifolk peitscht blutig Russenknaben.

00:21:54: Es lässt in Dreck Urin und Kot die Judentäglich baden In Dreck und Kot bis alle tot Verkracht, verreckt, verkriegert.

00:22:04: Ich lese Goethe fort und fort in größten

00:22:07: Augenblicken.".

00:22:10: Juliette Paris ist der Ansicht dass Bildung vor allem Literatur helfen kann ein guter anständiger Mensch mit integren Moralvorstellungen zu sein.

00:22:19: diese Haltung könne auch in dunkelsten Momenten Rettung bedeuten.

00:22:24: Wenn dein Dasein bricht zusammen, wenn dein Dämon dich verhehrt, trau dir selbst aus Abgrundsflammen steigst du höher unversehrt.

00:22:34: Wenn dein Wesen qualzerissen von der eigenen Rohheit wohnt, traue dir selbst.

00:22:39: das tiefe Wissen macht dich menschlich und gesund.

00:22:50: Nach der Staatsgründung Israels reist sie in die Wüste Negev und berichtet als erste europäische Journalistin über die dortigen Kämpfe mit der ägyptischen Armee.

00:22:59: Doch die Arbeit überanstrengt sie, zährt sie auf – Sie wird krank!

00:23:03: ... ... ... Ich spüre das Sterben … ich fürcht es nicht mehr….

00:23:19: Zuquälend ist Leben geworden.

00:23:22: Zu krank ist mein Wesen, doch hebt sich zur Wehr die Dichtung und lässt sich nicht morden!

00:23:28: Das Werk das Geschaffene – es bleibt Gebot.

00:23:31: Es will sich in Menschen ergießen.

00:23:34: Ich muss's vollbringen Und wer' ich halbt tot Weils höhere Mächte

00:23:39: verhießen!".

00:23:42: Es ist an der Zeit, dass sie endlich wahrgenommen werden.

00:23:51: Der Persona-Verlag Mannheim hat den Lyrikband an die Deutschen von Juliette Paris mit einem umfangreichen Nachwort von Andreas Kellett herausgegeben und das war die Kostprobe im heutigen Podcast Literatur von Theo Schneider und der Volkshochschule Kaiserslautern – mit Kerstin Bachtler am Mikrofon!

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