Folge 68: DIE WILDE MILDE HILDE
Shownotes
Vom Exil in der Dominikanischen Republik, der Rückkehr 1954, dem Domizil in Heidelberg bis zu ihrem Tod 2006. Die Lyrikerin Hilde Domin, ihre Gedichte und essayistischen Arbeiten, ihre Konflikte mit Kritik und Verlagen, ihr energischer Einsatz für das eigene Werk, ihre unermüdlichen Leseauftritte und ihr politisches Engagement.
Die Dichterin Hilde Domin, eine der bedeutendsten deutschen Nachkriegslyrikerinnen, ging 1932 mit ihrem späteren Ehemann Erwin Walter Palm zum Auslandsstudium nach Italien, das mit Hitlers Machtübernahme zum ersten Exil wurde. Abenteuerliche Fluchten über Frankreich, England, die Dominikanische Republik nahmen den Jahren jegliche Zutraulichkeit.
Vor allem aber die konfliktreiche Ehe machten die 22 Jahre Exil zu „geprügelten Tagen“, die Hilde Domin überlebte, indem sie ihnen das Dennoch ihrer Buchstaben entgegensetzte. Schreiben war Atmen. Schreiben provozierten neue Auseinandersetzungen mit ihrem dichtenden Ehemann. Domins Gedichte aber wurden so zu Augenblicken der Freiheit, zu magischen Gebrauchsgegenständen. Zeitlos. Aktuell – und anwendbar für jedermann.
In Folge 67 und 68 blenden Marion Tauschwitz, Biografin, Mitarbeiterin und Freundin Hilde Domins und Theo Schneider in Lesung und Gespräch Leben und Literatur der Autorin auf – vom Elternhaus in Köln über die langen Jahre des Exils bis zu den Jahrzehnten in Heidelberg. Da ihre Biografin Marion Tauschwitz tausende nachgelassene Briefe und Skripte sichten konnte, eröffnet sich nicht zuletzt auch in diesen Folgen von podcastliteratur.de ein neues, zu ihren Lebzeiten unbekanntes Bild der Frau und Dichterin.
Transkript anzeigen
00:00:00: Sie hören Podcast Literatur, die E von Theo Schneider und der Forster Schule Kaiserslautern.
00:00:05: Mit dem zweiten Teil über Hilde Domien zu Gast ist ihre Biografin Marion Tauschwitz.
00:00:14: Der zweite Teil beginnt mit dem Exil dass nicht das Deutschland startet denn die beiden also Hilde Domin in Italien, in Rom.
00:00:33: Da war Mussolini an der Macht, die Hitler und der Nazi-Politik gefolgt ist – so kam es, dass sich zunehmend auch in Italie die Rassegesetze und die Verfolgung von Juden durchgesetzt haben.
00:00:52: Hildedomin und Palme sind viel zu lange da geblieben und konnten mit aller Not und sozusagen die letzte Minute aus Italien fliehen.
00:01:04: Und Sie haben dann tatsächlich, es gibt diese vielen Wanderführer – Erwin hat die alle gekauft – von hier seit'n Dreißig und Wanderrouten ausgemacht wo sie geschaut haben, wo sie vielleicht hätten über die grüne Grenze entweichen können?
00:01:20: Aber sie haben immer noch gehofft, es wird sich doch beruhigen.
00:01:25: Deshalb haben Sie auch zu spät eigentlich reagiert.
00:01:49: Erwischen Sie, kriegen sie ein Schiff das in die Dominikanische Republik fährt.
00:01:54: Warum sind Sie in die Domrep ausgewandelt oder ins Exil gegangen?
00:01:59: Warum konnten Sie nicht oder wollten Sie nicht nach New York gehen?
00:02:03: Die USA waren damals natürlich von allen des angesagtes der Exieland und wer in den USA konnte und dort bleiben konnte ist nicht woanders hingegangen.
00:02:15: Ja, Hilde Domins Bruder war ja in New York mittlerweile Kraft der reichen Verwandtschaft von Hilde Dominens Mutter.
00:02:23: Sie ist geschafft dann nach England zu kommen denn es durften uns seit neun dreißig schon nur noch Kinder oder ganz alte Ausreisen und das waren sehr beides nicht.
00:02:32: Sie haben das dann geschafft.
00:02:33: immer wieder wurde gedrängt ihr müsst euch um eine ausreise bemühen war vor allem Erwin der fühlte ich wills noch abwarten, denn vielleicht wird sich das ja alles legen und wir können wieder nach Italien zurück.
00:02:47: Das war sein großer Wund so dass Hildedomin mit ihrem Vater nach London gefahren ist und haben nochmal die ganzen Fluchtlisten durchgegangen Und da war dann auf einer Liste gestanden Dominikanische Republik Dominican Republic also nannte sich schon Republik obwohl es eine Diktatur war.
00:03:06: Die verlangten kein ein Reisegeld.
00:03:11: Der Trujillo, Raphael Leonidas Trujio Molino war das tatsächlich dieser Benefaktor als der er sich gerne ausgegeben hätte.
00:03:20: Nein, das war ein blutiger Diktator!
00:03:23: Das wusste man aber so vorher nicht.
00:03:25: Er hatte im Oktober siebenunddreißig an der Grenze zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik einen Massaker provoziert denn die Haitianer schwarz arm französisch sprach ich Versuchten immer wieder in die Dominikranische Republik zu kommen, die hellhäutiger durch die spanischen Einflüsse waren.
00:03:45: Spanisch sprach ich und wo es noch Arbeit gab.
00:03:48: Und Trujillo der war besessen davon sich aufzuweisen dieses Wort hat er existiert also er war im Prinzip ein Hitler-Fan an der Grenze zur Heide.
00:04:02: dieses Massaker provoziert, das gibt diesem berühmten Sprachtest.
00:04:05: Ganz furchtbar so ein Schibulett auch ein biblisches Vorbild.
00:04:09: er hat die Bauern mit Vacheten ausgestattet und hat gesagt, geht an die Grenze.
00:04:15: Und er nehmt ein Streuschen Petersilie und halte das denen wo ihr glaubt dass das nicht unbedingt unsere Leute sind und nicht unbedingt Dominicana sind, haltet den den Petersilienstrauß vor die Nase und sagt Nigga Perrichiel.
00:04:30: Perrichil mit diesem Rotter und dem spanischen R konnten natürlich die französischsprachigen Heitianer nicht aussprechen.
00:04:37: Die sagten dann Pevigil oder Pellilil Jeder, der das Falschaussprach wurde an Ort und Stelle mit der Manchete in Stücke gehauen.
00:04:47: Und die Überbleibsel hat man in den Rio Massacre geschmissen.
00:04:51: An diesem Wochenende hat nachweislich der Trujillo etwa... ...twanzig tausend bis dreißigtausend Haitianer umbringen lassen.
00:05:00: Und dann kam Trujilo!
00:05:02: Wir nehmen fünfzigtausenden bis hunderttausende jüdische Migranten auf.
00:05:06: Und wir würden sie gerne in Siedlungsprojekte Einbauen, einbeziehen.
00:05:10: Dass das nachher ein Riesenreinfall und für Drukhili ein großes Geschäft war – das ist jetzt nur meine ganz andere Sache.
00:05:16: Aber das war eine große Erleichterung.
00:05:18: Fünfzigtausend bis Hunderttausende ist natürlich ein Wort.
00:05:21: Darauf haben sich die Palms auch eingelassen und haben dann von England aus Tickets für einen Boot besorgt, für die Sküsjahr auf demselben Boot wie Stefan Zweig übrigens.
00:05:31: Da führen die Wege wieder zusammen.
00:05:34: Wenn man später gefragt hat, ihr habt ja dann mitbekommen, dass das ein Diktator war.
00:05:39: Ein fruchterregender Lebensretter?
00:05:41: Sie haben ja da auch am gesellschaftlichen Leben teilgenommen.
00:05:44: Sie
00:05:44: lebten nach wie vor von der Verwandtschaft in den USA, die jeden Monat an Budget zur Verfügung gestellt hatte.
00:05:51: Damit das überhaupt ausreicht dieses Geld, hat Hilde Domien in den Bergenlogie bezogen.
00:05:57: Da war es erstmal angenehmer von der Temperatur und sehr viel billiger als in der Hauptstadt.
00:06:04: Was haben die beiden in Santo Domingo eigentlich gemacht?
00:06:06: Sie waren jelange da, sie waren viele Jahre da!
00:06:09: Ja... Sie haben versucht in der Universität Fuß zu fassen.
00:06:13: Erwin Walter Palme hat später dann nach dem Krieg immer wieder diese Möglichkeiten genutzt auf Exkursionen zu gehen und Vorträge zu halten.
00:06:21: Immer in der Hoffnung an einer anderen Uni einen Volljob zu bekommen.
00:06:24: Denn das was er da in Santo-Domingo erst mal gemacht hatte ... Sie haben gesagt, Gelegenheitstops.
00:06:31: Das waren kleine Verträge und sie hätten davon nie und nie mal leben können.
00:06:35: Domin hat eine ... Ohne die Hilfe der Familie und Domin hat einen Untermieter noch aufgenommen als Zuschuss dann quasi gehabt haben.
00:06:44: Und sie hat in den Bergen seine Werke übersetzt.
00:06:47: Erwin hat Gedichte geschrieben auf Deutsch und sie hat sie in Spanisch übersetzt und sie sagte Eine Zeile war fast ne Stunde Arbeit weil er Versuchte, diese Werke dann in irgendeiner Form unterzubringen.
00:07:03: In
00:07:04: den USA oder selbst so veröffentlichen.
00:07:07: Ich würde da gar nicht näher drauf eingehen außer die Sklavenarbeit von der Hilde Domine.
00:07:13: Denn die waren literarisch einfach nicht bemerkenswert das was der Erwin-Walterbahn beschrieben hat.
00:07:19: aber der Punkt ist Hilde Domin hat genau zu dieser Zeit angefangen zu schreiben.
00:07:24: Ihre ersten Gedichte tatieren, wenn ich mich richtig an ihre Biografie erinnern aus dieser Hüttenzeit in den Bergen von Santo Domingo.
00:07:36: Ja
00:07:37: und dann hat sie später das Augenmerk draufgelenkt und sagte aus der Not und der Trauer über den Tod meiner Mutter.
00:07:47: Aber Domine hat nachweislich schon früher angefangen zu schreiben, und zwar wie Marcel Reichranitz gibt es sagen Pflegte hocherotische schon die Grenze erreichende Liebesgedichte.
00:07:57: Und dann fragt man sich natürlich über den Tot der Mutter, wieso schreibt man da hocheroticisch schon die grenzerreichende Liebesgedichte zum Beispiel?
00:08:07: Mein Geschlecht zittert unter dem Griff deines Blicks.
00:08:11: Du öffnest alle Türen, tausend kleine Blüten öffneten sich auf meinem
00:08:15: Körper.".
00:08:16: Wie lang waren Sie in Santo Domingo?
00:08:18: Von unsert vierzig bis... In den letzten Jahren waren Sie in den USA.
00:08:28: Da hat der Hildedomin ein Guggenheim-Stipendium für Ewen Walter Palme erwirkt?
00:08:35: Nach dem Ende des Guggeheims sind Sie in die Bundesrepublik zurückgekehrt.
00:08:42: Wobei das eigentlich genau genommen nur zur Hälfte gilt, denn diese Rückkehr nach Deutschland oder diese Aufenthalte in Deutschland waren immer wieder unterbrochen von ausgiebigen langen Reisen und Aufenthalten besser gesagt in Spanien.
00:09:00: Ja aber nicht freiwillig, das muss man ja auch so sehen!
00:09:03: Das war ein Rückkehrstipendium dass der DRD dem Palms gewährt hatte.
00:09:09: In der Zeit sollten sie versuchen, irgendeiner Uni in Deutschland oder im nahen Ausland Fuß zu fassen und Erwin Walter Palm hat da vierzig Vorträge in fünfzig Tagen gehalten durch ganz Deutschland durch das also.
00:09:21: er war an allen möglichen Orten und Unorden die man sich nicht wünscht dort wirklich sein Leben lang bleiben zu müssen hat alles versucht aber er kam nirgends an.
00:09:32: Und den Universitätsunterlagen kann man nachlesen, dass die Universitäten quasi geschachert haben.
00:09:38: Mensch, könnt ihr das nicht möglich machen?
00:09:40: Wir verzichten dann auf die eine Stelle, da braucht er uns kein Geld
00:09:42: geben.".
00:09:43: Also sie haben ihn rumgeschoben wie ein Schwarzen Peter und der war ja nicht dumm.
00:09:47: sein hochintelligenter Mensch, der gesagt hat in all den Augen sehe ich... Ich will dich nicht!
00:09:53: Ich will nicht, dass du hier bleibst.
00:09:55: Denn die Rückkehrer, die Juden überlebt hatten, das waren ja... Das war ja das personifizierte schlechte Gewissen Antisemitismus der Blüte nach wie vor und man hat wirklich das Gefühl gehabt, dass also nicht die Verfolgung von Verbrechenerstenrang hatte sondern die Integration der Täter vorrangig war.
00:10:15: Und heute weiß man, dass es ja so auch gewesen ist.
00:10:19: Also hat man dann eine andere Möglichkeit gesucht und hat gesagt, dann versuch doch nochmal ein Spanien-Stipendium zu geben.
00:10:27: Das hat in die deutsche Forschungsgesellschaft zusammen geglaubt.
00:10:30: Und sieben Monate in Spanien.
00:10:33: Vervollkommnet da deine Kenntnisse über iberoamerikanische Kunstgeschichte, Kultur- und Kunstgeschichten?
00:10:40: In dieser Zeit haben Sie aber auch Autoren und zwar einige kennengelernt und versucht zu übersetzen also nicht nur spanischer.
00:10:48: Alexandre zum Beispiel den später Nobelpreisträger, den haben Sie kennengelernet.
00:10:53: Sie haben ihn übersetzt oder Hilde hat ihn übersetzt.
00:10:57: Ungaretti Hilder hat ...
00:11:18: Die Spanischen Dichte haben sich schon in Santo Domingo beeinflusst, denn sie haben ihr Spanisch geschärft und verbessert.
00:11:25: Anhand der Übersetzungen, sie hatten spanische Literaturen und haben die ins Deutsche übersetzt.
00:11:30: Und zwar gemeinsam!
00:11:31: Beide gemeinsam.
00:11:34: Sie waren dann immer wieder hier um zu gucken wie geht es weiter?
00:11:37: In der Zeit ist sie wirklich hausieren gegangen mit den Gedichten, die sie in Santo Domingo übersetzt hatten.
00:11:42: Hat beim Piper Verlag als erstes vorgesprochen.
00:11:45: Das war ja so ein bisschen exotisch.
00:11:47: auch da kommen jetzt überlebende Juden zurück Denn man weiß, die haben so lange in Santo Domingo gelebt.
00:11:53: In der Karibik und haben dann die Spanier übersetzt.
00:11:56: Und da war man dann neugierig drauf.
00:11:58: Da hat der Piper-Verlag gesagt ja ich mach das dann auch.
00:12:02: Los aus Asche ist eine
00:12:04: Antologie mit spanischen
00:12:05: Autoren.
00:12:06: Genau Raphael Alberti, der hat Heldedomin sehr beeinflusst.
00:12:10: Das kann man wirklich nachvollziehen.
00:12:12: Ja Dann hat dieser Verlagsleiter gesagt, ja unkündige Frau was machen Sie eigentlich?
00:12:21: Ja ich schreibe auch so ein paar Gedichte.
00:12:23: Ach dann schicken sie doch mal eins vorbei und da hat sie ihm das geschickt und dann steht bei den Verlachs-Gerrespondenzen besser als der Mann.
00:12:32: Steht da an der Seite dran.
00:12:34: und dann hat sie gesagt fände ich natürlich toll wenn sie das veröffentlichen würden.
00:12:38: erst machen wir diesen Band fertig.
00:12:40: nein sagt er ich will schon vorher in Hochland der Literaturzeitschrift.
00:12:44: Und noch bevor die Antologie mit den spanischen Dichtern fertig gedruckt war, kamen Hilde Domins Gedichte in den Literatur-Zeitschriften.
00:12:53: ... aus dem Jahr, da war sie schon, normalerweise machen junge Autorinnen das mit fünfzehn oder mit acht Zählen.
00:13:08: Ja ja also da war Sie veröffentlicht worden und zwar unter den Namen Domin.
00:13:15: Sie hat nämlich den Vorschlag von Wolfgang Bayra auch angenommen, einen Hamburger Journalist der gesagt hat nennen sie sich doch sagte einer als ich in Deutschland ein Land ging mit dem Namen ihrer Insel das ist das Gedicht landen dürfen dass sie dann in Frankfurt neunzehn fünfzig geschrieben hat indem ja als erster Gedichtband dann auch raus kam.
00:13:40: Ich nannte mich, ich selber rief mich mit dem Namen einer Insel.
00:13:46: Es ist der Name eines Sonntags einer geträumten Insel.
00:13:50: Kolumbus erfand die Insel an einem Weihnachtssonntag.
00:13:54: Sie war eine Küste etwas zum Landen.
00:13:57: man kann sie betreten Die Nachtigallen singen an Weihnachten.
00:14:01: dort Nennen sich sagte einer als ich in Europa an Land ging Mit dem Namen ihrer Insel.
00:14:09: Daher kommt der Name Domin, von der dominikanischen Republik und drum auch nicht Domin.
00:14:15: Denn das heißt ja nicht dominikanisch ist sondern wenn Domin sich vorgestellt hat dann war das immer Heledomin also kurz und zackig gesprochen.
00:14:24: Und daraufhin ist man aufmerksam geworden auf diese Dichterin die dann Schale im Ofen war.
00:14:30: das erste Gedicht dass in Hochland veröffentlicht worden ist.
00:14:38: In Deutschland erschienen eine Rose als Stütze bei
00:14:44: Fischer.
00:14:46: Man hat immer wieder geschoben, sie sollte schon im Jahr davor veröffentlicht werden.
00:14:50: aber da hat er Hirsch erstmal den Zähladen vorgenommen mit Sprachgitter.
00:14:55: Domin war sehr bos, weil das nun wieder ein anderer war.
00:14:58: Eben tatsächlich Exilschriftsteller, Zählern und Domin sind sich nie begegnet und waren sich nicht grün.
00:15:06: Sie hat sehr um seine Freundschaft gebohlt.
00:15:08: Er hatte es abgelehnt, er hat auch Mitarbeit an ihren Doppelinterpretationen abgelehnten.
00:15:13: Und natürlich war Rudolf Hirsch durch die Lesung, die er mit Hilde Domin hatte, nicht gewillt alle Gedichte zu veröffentlichen, denn er fand darin sein Leben gespiegelt.
00:15:26: Eine Gedichte?
00:15:28: Trostlose Kranfahrt... Wir
00:15:30: sind im Nist Erwin Walder-Pallen als Backgroundfolie geschuldet, sondern dem Chef des Fischerverlachts damals.
00:15:40: Und der hat die erst mal unter den Tisch geschoben und hat gesagt, die will ich nicht veröffentlichten sehen.
00:15:45: Jeder, der uns kennt, der sich in der Literatur Szene auskennt weiß wovon wir sprechen.
00:15:51: Das war ein großes Dilemma.
00:15:53: Aber Bärmann Fischer und die haben dann ihn gedrängt, haben gesagt doch das ist eine Frau, die gut ankommt!
00:15:59: Die Gedichte werden gelesen, denn man ist auf Dominic Aufmerksam geworden hat immer wieder auch nach den Veröffentlichungen Zeitungen gefragt was ist mit dieser Frau?
00:16:08: können wir da noch mehr lesen?
00:16:09: Und dann haben sie das veröffentlicht.
00:16:11: nur eine Rose als Stütze.
00:16:13: Wie ist der Band angekommen?
00:16:15: bei der Kritik in der Öffentlichkeit?
00:16:17: sehr gut Walter Jens hat als erstes diesen Band besprochen und hat den hoch gelobt.
00:16:24: Das ist also eine Dichterin, die zu warten verstand, die keine kruden Metaphern benutzt sondern eine Sprache spricht, die alle anspricht und trotzdem in allen Bereichen anwendbar ist.
00:16:36: eben diesem magischen Gebrauchsgegenstand hatte er wohl im Kopf gehabt, den jede Dominant selber später geformt hatte.
00:16:43: Und vor allem war man auch von dem Titel sehr angetan und Walter Jens hat das ausgegeben.
00:16:50: Die Dichterin der Rückkehr für die war, die deutsche Sprache, die Rose und diese Rose war ihre Stütze.
00:16:56: Und später hat man in den Briefwechseln – also später sage ich jetzt nach Hilde Domins Tod habe ich mit Hermann Hesse gelesen – was das für eine Rose war?
00:17:06: Das war eine veritable Rose, die der Verlagsleiter Hilde Domin geschenkt hatte da als er sich von ihr verabschiedet hatte und gesagt hat, das wird nichts mit uns.
00:17:18: Da hat sie diese Rose mitgenommen in ihr Bett und hat ihr ein eigenes Kopfkissen zugesprochen.
00:17:25: Und wenn sie nachts rüber gefasst hat dann fühlte sie nur eine Rose als Stütze.
00:17:32: Das Buch ist nicht nur bei der Kritik gut angekommen, sondern sehr bald auch bei den Lesern.
00:17:37: Ja!
00:17:37: Die hat überraschend für ein Gedicht, ganz unwöhnlich für
00:17:41: eine
00:17:41: hohe Aufladung.
00:17:42: Gleichhoher Aufladen?
00:17:43: Vor allem die Zeit hat einen Gedicht am Ostersonntag da drin abgedruckt und dann kam mit dieser Osterpost zu Domin in die Berge wo sie noch logierte gleich die ersten Danke schreiben die gesagt haben, was ist das für eine tolle Dichterin?
00:18:00: Die uns aus dem Herzen spricht.
00:18:02: Alles kann ich nachvollziehen!
00:18:04: Was hat diese Frau erleben
00:18:05: müssen?!
00:18:06: Ich sehe da drin, dass Exil, ich sehe Schicksal und ich sehe Lieb, ich seh Vertriebenheit... Also es kam ganz gut an.
00:18:12: Es
00:18:12: will mal ein bisschen ketzerisch werden.
00:18:16: Nicht so richtig um Ernst aber auch nicht so ganz unernst.
00:18:24: Ist ein Titel oder ein Bild wie eine Rose als Stütze unbedingt hinzunehmen?
00:18:32: Aber ist es nicht so, dass wir heute ... Es ist noch kein Kitsch.
00:18:36: Aber vorsichtigere Reaktionen auslöst, als es damals
00:18:41: war.".
00:18:42: Ja aber warum darf nicht die Sehnsucht nach einem bisschen Kitsche auch befriedigt werden?
00:18:49: Wenn man sagt das ist doch ein schönes Bild nur eine rose als stütze.
00:18:52: wenn ich eine rose geschenkt bekomme Stellen Sie zu Hause in die Vase, dann weiß ich von wem ich die Geschenk bekommen habe.
00:18:58: Wer mir das geschenkt hat ... Ich lebe mit dieser Rose und die Rose erzählt eine Geschichte.
00:19:03: Und ich denke, dass das viele Menschen angesprochen haben und auch heute noch durchaus anspricht.
00:19:09: Die Folgetitel sind ja nicht mehr so eindeutig wie diese Rosa als Stütze.
00:19:13: Denken sie an!
00:19:20: Nürnberg.
00:19:20: jemand gesagt, sind das nicht Liebesgedichte die sie da schreibt?
00:19:24: Nein, das sind hochpolitische Gedichte.
00:19:27: Die sie in diesem Band veröffentlicht hat gerade in den Sechzigerjahren.
00:19:30: Sie
00:19:30: spielt ja damit mit dem Missverständnis also
00:19:32: ganz
00:19:34: bewusst mit dem Titelmach ist wildisch.
00:19:36: Setze ich natürlich darauf dass der vielleicht auf Beides, dass er die Leserinnen motiviert es Buch zu kaufen und weil sie denken sie sind Liebes-Gedichte und sie gerade unglücklich oder glücklich verdient sich.
00:19:49: Und erst dann merkt man, dass sie veräppelt wurden.
00:19:52: Weil es politische Gedichte sind.
00:19:54: Lass uns mal eins lesen!
00:19:55: Gerade
00:19:56: dieses Ich will dich.
00:19:58: Ich will Dich.
00:20:00: Freiheit.
00:20:01: Ich Will Dich Aufrauen mit Schmiertelpapier.
00:20:05: du Geleckte, die ich meine Meine unsere Freiheit von und zu Modefratz.
00:20:12: Du wirst geleckt Mit Zungenspitzen bist du ganz rund bist Kugel auf allen Tüchern Freiheit!
00:20:21: Wort, das ich aufrauen will.
00:20:24: Ich will dich mit Glas-Splittern spicken, dass man dich schwer auf die Zunge nimmt und du nie mein des Ball bist.
00:20:32: Dich!
00:20:33: Und andere Worte möchte ich mit Glassplitern spicken so wie es Konfuzus befiehlt.
00:20:39: der alte Kineser Die Eckenschale sagt er muss Ecken haben sagt er oder der Start geht zugrunde Nichts weiter, sagt er.
00:20:51: Ist von Nöten?
00:20:53: Nennt das Runde rund und das Eckige eckig!
00:21:05: Warum Heidelberg?
00:21:07: Weil es ihr von früh auf schon als Studentin vertraut war.
00:21:11: Das mag sicherlich eine Rolle gespielt haben, dass sie an Heidelberg beide romantische liebevolle Gedanken hatten.
00:21:18: Im Kunsthistorischen Institut hat ein Befreundeter Professor den Palm angefordert und hat durchgesetzt das an der Heidelberger Uni eine KW-Professur eingerichtet wird.
00:21:31: Man sagtlich, eine kann weg Professor.
00:21:34: Also wenn der Professor emeritiert wird... wird diese Stelle nicht neu besetzt.
00:21:39: Und Domin ist auf Lesereisen gegangen von Anfang an und die Lesereisten waren sehr gut besucht, da hat sie viele Bücher verkauft und da war sie die beste Botschaft darin ihrer selbst
00:21:48: geworden.
00:21:49: Und damals auch akzeptabel bezahlt?
00:21:51: Ja!
00:21:51: Und das folgt die Auflagen und die weiteren Auflagen... Und Domin schrieb dann mit dieser Kölnerin Die Leute lieben mich, die Leute kaufen meine Bücher aber ich werde in der Literatur Szene nicht wahrgenommen.
00:22:05: Ein Preis muss her, denn dann ist es so wie Reichranitz gesagt hat.
00:22:10: Aber wenn man mal einen Preis hat, dann bist du preiswürdig und auf dem Fließband der
00:22:16: Preisfürdigkeit.".
00:22:19: Der Normalfall auch heute ist, dass man den ersten Preis auch wenn der eher vielleicht klein ist fünf Jahre oder so nach dem Schreibtbeginn erhält.
00:22:43: Aber meistens doch schon einen Preis nach dem ersten Buch.
00:22:51: Es
00:22:51: dauerte lange und es hätte vielleicht noch länger gedauert, wenn nicht Frauenpower da zusammengespielt hätte.
00:22:57: Es lag daran dass in den sechziger Jahren in der Literatur Szene in der Männer dominierten Literaturszene kann man sagen unterzugehend rote Man hat sie nicht wahrgenommen.
00:23:09: Das eigene Glockenleuten, wie Reichhanitz gesagt, der übel genommen.
00:23:13: Dass sie überall sagte hier lest doch mal eine Gedichte.
00:23:15: die sind gut und warum krieg ich nicht?
00:23:16: Warum werde ich
00:23:17: nicht?".
00:23:17: Sie hat dann bei Jury's angerufen steht mein Name auf der Liste?
00:23:21: das darf man gar nicht machen das ist ein No-Go.
00:23:24: Aber sie macht sich...
00:23:26: Sie ist doch intelligent genug um zu wissen.
00:23:29: Ja aber
00:23:29: es war ganz verzweifelt.
00:23:30: Leute haben mir
00:23:31: das sicher gesagt.
00:23:33: bitte ihr macht das nicht!
00:23:35: Da hat sie sich nicht dran gehalten.
00:23:37: Sie hat gedacht, da müssen die doch merken.
00:23:39: ich muss mich in der Lichter Öffentlichkeit bringen und dann müssen die auch merken dass ich da bin das ich gut bin Und man hat ihr natürlich auch übergenommen.
00:23:47: dass sie als Jüdin so aufmüpfig ist möchte ich mal sagen da kommt eine kleine Person her ist nicht gemütlich Dass sie nun wieder hier freundlich aufgenommen wird sondern sie eckt an kritisiert als Jüdin auch Juden.
00:24:02: Das war
00:24:02: in den fünftiger Jahren sicher so, sicher auch in den sechziger Jahren zumindest bis zur Studentenrevolte.
00:24:10: und die Literatur Szene war Männer dominiert von Sorkamp und von Fischer.
00:24:16: da gab es überall die Lektoren und die Männer die da untereinander sich ausgetauscht haben und natürlich dann beschlossen haben, wir kriegten einen Preis.
00:24:28: Wir kriegen keinen Preis.
00:24:30: Vorschlagsliste
00:24:31: hatten.".
00:24:32: Da hat dann auch Erwin Walter Palm leider sehr negativ mitgewirkt.
00:24:36: er hätte können wie Orfeus seine Euridike aus der Unterwelt befreien aber das hat er wie Orfäus verdattelt.
00:24:45: Er hat nicht auf den leisten Schritt vertraut seiner dass die schon hinter ihm her folgt sondern Er hat sich umgedreht und damit war das alles zunichte gemacht worden.
00:24:55: Es ist doch über Jahrzehnte lang, da sind ja jetzt fast dreißigvierzig Jahre... ...das Erbenwald der Balm sich immer noch nicht damit abgefunden hat.
00:25:05: Das hier im Gemähen einer Dichterin ist auch eine erfolgreiche Dichterin und immer noch gegen sie... Sie vielleicht nicht mehr verbrügelt aber immer noch gegenseitig intrigiert an Die
00:25:18: geistige Brügel, die ist ja genauso vernichtend wie eine körperliche Untat.
00:25:23: und neunundsechzig hat.
00:25:26: Hilde Dumin das Gedicht Abelste aufgeschrieben.
00:25:28: In den Nächsten sind sie aus ihrem ersten Domizil im Heinsbachweg in Heidelberg ausgezogen, weil es nächtliche Droh-Anrufe von Neonazis patrouillierten mit Schäferhunden und bedrohten die Nachbarn und sagten, wir hetzen unsere Hunde auf euch, wenn ihr nicht dafür sorgt dass die Juden aus diesem Haus aussieht?
00:25:54: Nein!
00:25:55: Die haben sich taubgestellt und dann ist zu allem Unglück noch direkt über Palms der Eckschwager von Hitler eingezogen.
00:26:03: Gut, aber das war eher ein Zufall.
00:26:05: Ja, aber trotzdem war das ganz furchtbar, denn er hat sich gleich zur Kenne gegeben.
00:26:09: ich weiß dass sie Güden sind Und da ist er die Schachtel mit den Eiern aus der Hand gefallen, und dann gab es sich zu erkennen.
00:26:15: Das ist doch schön!
00:26:16: Ich kann jeden Tag verbrügeln, wenn einer hier begegnet.
00:26:20: Ja, also das war sehr dramatisch.
00:26:23: In neunundsechzig sind Sie in Greimbergweg gezogen, wo sie dann geblieben sind bis zum Todweite?
00:26:28: Aber Sie kennen
00:26:29: uns bei
00:26:30: halb
00:26:30: so.
00:26:31: was für ein Verhältnis hat die Lydomin zur Heilbar gehabt.
00:26:35: Dankbar, oder hat Heidelberg ganz
00:26:37: gerne gemacht?
00:26:37: Ich liebe Heidelberg.
00:26:38: Hat sie gesagt ich liebe Heidlberg!
00:26:40: Sie hat das ja auch in den ersten Jahren neunundzwanzig da hat sie das heidelberg erwandert.
00:26:46: Darum war die auch so fit.
00:26:48: Die ist in jungen Jahren als Studentin alle Wege zu Fuß gemacht.
00:26:52: Sie ist auf die Berge hoch von der Altstadt hoch auf dem Kohlhof marschiert und auf den Königstuhl, also sie hat große Wanderungen gemacht.
00:27:02: Sie sind auch von Heidelberg nach Neckar gemünnt gelaufen.
00:27:05: Domin meine gute Schwimmerin die hat dann in diesem Badeanstalten, die es da noch gab.
00:27:10: In neunzehnundzwanzig ist sie den Nekker aufwärts geschwommen und gepaddelt halb nicht.
00:27:16: der war kein Wassermensch aber Domin meine Wasserratte und hat auch ein Santa Domingo immer Dolgeschwommen hat sich ein Trampelpfad zum Meer gemacht.
00:27:25: Und die Einheimischen haben großen Augen geguckt und haben gesagt, Senor da!
00:27:30: Was ist mit den Haien?
00:27:32: Aber sie war sicher, dass die Haie sie nicht fressen werden.
00:27:35: Die Haie sind keine Antissemitten...
00:27:37: Ja dann kam neunsechzig Auszug, Umzug der Friede.
00:27:41: Erwin Walter Palma hat noch mal einen letzten Versuch gemacht in Darmstadt auf einer Probebühne ein Theaterstück zu lancieren Und das hat vernichtende Kritik bekommen.
00:27:51: Die hatte ihr aber ganz brav wie ein kleiner Junge auch alle zugeschickt, denn sie hatte da einen Lungeninfarkt gehabt in der Zeit.
00:27:58: und das war dann sein Ende gewesen mit seiner Schreiberei.
00:28:02: und ab da hat er auch das große Projekt in Mexiko bekommen, dass dann besagte Erwin Walter Palme ist im Wintersemester in Mexico und im Sommersemester lehrt er in Heidelberg.
00:28:14: Eine gemeinsame Wohnung, aber im Endeffekt war es doch wenn ich das richtig verstanden habe in ihrer Biografie so dass sie achtzig Prozent der Zeit überhaupt nicht zusammen waren.
00:28:27: Aber Sie haben viel telefoniert?
00:28:29: Und aus der Ferne funktionierte diese Beziehung wieder.
00:28:32: Da haben sie sich bereichert, da hat Helde erzählt... ...da hat er sich auch gefreut dass sie mittlerweile Erfolg hatte und dann hat er seine eigene Schriftstellerei aufgegeben und war dann sehr zufrieden und hat sie ab da unterstützt.
00:28:44: Dann hat sie ja diesen ersten Ider-Demelpreis bekommen.
00:28:47: Und dann ging es knallaufhalb!
00:28:48: Sie hat neunzehn oder also an die zwanzig Sekunden.
00:28:51: Ja
00:28:51: das war wirklich das Fließband.
00:28:53: Das war der Opener.
00:28:54: man braucht erst mal was denn?
00:28:56: Sie haben noch gar kein Preis.
00:28:59: Naja, das wird ja wohl sein Grund haben.
00:29:02: Sie hat richtig
00:29:03: viel Preise, fast zuviel hätte ich jetzt ironisch gesagt oder halbironisch gesagt im Verhältnis dessen was sie geschrieben hat.
00:29:14: Es
00:29:16: gab etliche Sonderausgaben dann.
00:29:18: Ja,
00:29:21: sie hat auch andere Sachen geschrieben also einen Roman.
00:29:23: Sie haben da drüber gerillt.
00:29:24: das zweite Paradies der kam aber glaube ich nicht besonders gut an.
00:29:28: damit konnte man nichts anfangen.
00:29:30: Das war zu nahe.
00:29:31: Ich habe ja auch gesagt ich hab es jetzt fünfmal angefangen.
00:29:35: Das
00:29:36: ist ein Textkollageversuch.
00:29:39: Aber wenn Sie heute mit dem Biografiewissen diesen Roman lesen Dann sagen sie Boah Das ist ja autobiografisch, das kann man ja eins zu eins übertragen.
00:29:49: Alle kommen vor die in den Briefen der Biographie vorgekommen
00:29:52: sind.
00:29:52: Sie konnte keinen Roman schreiben?
00:29:54: Sie war keine Roman-Schriftstellerin offenbar.
00:29:56: Aber
00:29:56: sie hat Kurzgeschichten geschrieben und sehrt ihr ihnen den Antillen auf.
00:30:00: den Antilen hat es hier auch schon sehr gut beobachtet.
00:30:02: Sie war eine hervorragende Beobachterin und hat die Antilengeschichten geschrieben.
00:30:13: Die
00:30:13: waren lange gar nicht veröffentlicht.
00:30:17: Und jetzt haben zwei junge Herausgeberinnen diese acht Antillengeschichten, die als Manuskript im Literaturchiff Marbach waren.
00:30:27: Also Hilldomin hat zu Lebzeiten keine
00:30:29: Erzählungen
00:30:29: veröffentlicht?
00:30:30: Nein, gar
00:30:30: nicht.
00:30:32: In der Frankfurter Rundschau doch!
00:30:33: Da kam eine dieser Geschichten schon mal vor...
00:30:36: Aber nicht als Band ja?
00:30:37: Nicht
00:30:37: das Band da gab es in dieser Art nichts.
00:30:40: Ein Kinderbuch, in Kinderbüchern hat sie kleine Geschichten über den Mond wie der Sante Domingo auf einer ganz anderen Seite steht und der ein-urige Kater da hatte Geschichten drüber geschrieben.
00:30:50: die kamen auch gut an.
00:30:52: aber sie hat nicht das Genre Kinderschriftsteller mit und man möchte heute ja immer wieder auf die Schriftstelle Orte.
00:31:00: Aber
00:31:01: sie hat sich offenbar nicht bemüht, diese antillen Geschichten dieser Erzählungen selbst zu veröffentlichen?
00:31:09: Nein!
00:31:10: Sie wollten aus dieser Zeit eigentlich gar nicht viel übernehmen.
00:31:14: das war auch glaube ich der Grund warum sie zum Beispiel nicht in USA sind.
00:31:19: da waren noch zu viele Verwandtschaft Traurigen, armen Biografie gekannt.
00:31:26: Also hat sie das gar nicht aufnehmen wollen?
00:31:29: Aber es hat sie unterbrochen weil sie sagten zwei junge oder jüngere Autorinnen... ...herausgeberinnen
00:31:34: die die acht antilen Geschichten jetzt veröffentlicht haben.
00:31:38: was mir gar nicht gefällt ist dass die Texte, die ja noch nie veröffentlicht worden sind.
00:31:44: Nun von den zwei Frauen bearbeitet wurden
00:31:48: und ich finde... Das heißt... Das
00:31:49: kann man nicht machen!
00:31:50: Das heißt zum Beispiel... Na doch das weiß ich schon.
00:31:53: Ich habe die gelesen, ich kenne ja die Originale Und hab gesehen dass sie über die Frauen in den Bergen von Santo Domingo schreibt Zum Beispiel die Vitalis.
00:32:03: Das war eine träufliche Schönheit Eine Mischung aus Haityanerin Dominikanerin und Zigeunerin Und da hat man sofort ein Bild.
00:32:11: Was machen die zwei Frauen jetzt draus?
00:32:14: Sie lassen die träufliche Schönheit durchaus, das war eine träuflische Schönheit.
00:32:18: Aber die Zigeunerin muss
00:32:19: weg.
00:32:19: Eine Mischung aus Heitianerin, Dominikanerin und Sinti und Roma ist das nicht...
00:32:26: Ja, das ist ja natürlich eine Fälschung weil Hildetomin und auch niemand anders zu dieser Zeit den Begriff Sintie-und-Roma benutzt hätte.
00:32:35: Das ist genauso gut wie wenn ich sage Also Literatur verfällt schon irgendwas herausgeben, Text ist ja jetzt dreißig Jahre alt.
00:32:43: Und da steht halt das Wort Neger drin.
00:32:44: also verdammt nochmal!
00:32:46: Schon aus intellektueller und erst recht herausgeberischer Richtigkeit dazu verpflichtet, das Wort neger zu benutzen weil es damals eben noch kein Bärwort ist.
00:32:56: Es ist heute vollkommen zurecht Wort dass man nicht mehr gebrauchen soll aber natürlich gebrauchend darf als
00:33:05: Zitat.
00:33:07: Und dann kann man das ja auch zurechtfügen und eine Anmerkung machen.
00:33:13: Das haben wir gelassen, aber im Vorsparen sagen Sie Wir haben all diese politisch unkorrekten Begriffe rausgenommen verändert weil wir auch möchten dass junge Leute sich mit der Literatur befassen.
00:33:28: Ich habe an den Verlag geschrieben.
00:33:35: wird einfach unbenannt, vollkommen egal.
00:33:37: Also man darf auch nicht sein?
00:33:40: Ich würde gerne da distrieren, ich kenne viele.
00:33:44: verteidigen, wenn die das Buch herausgegeben hätten.
00:33:47: Die wären nicht auf diese blöde Idee gekommen diesen Begriff zu streichen beziehungsweise zu ersetzen.
00:33:53: Aber hätten vielleicht die Anmerkung gemacht, jede Domain hätte sich heute sicherlich anders ausgetrieben?
00:33:57: Ja, und jede Domine würde sich auch, wenn sie heute schreiben oder reden würden, anders ausdrücken.
00:34:04: Oder am Laternemfall lehnte ein Neger der lässt sich auf das Zeichen von Thuch Helio wartet.
00:34:11: dann schrieben Sie am laternen Fall lehnte ein Mann mit schwarzem gelockten Haar.
00:34:18: Also wir nennen den Namen nicht dieser Ausgeberin und wir nenne auch nicht den Verlag, wir können nur hoffen dass es in der Versenkung verschwindet oder
00:34:29: die zweite Auflage korrigiert wird.
00:34:31: ich habe dem Verlag geschrieben Ich hab ihn die ganzen Textbeispiele... Haben
00:34:34: Sie Hoffnung das das passieren wird?
00:34:36: Eher nicht?
00:34:36: ne.
00:34:39: Sie hat auch andere Aufgaben geschrieben, wie wir den Roman des Zweiten Paradies haben geredet.
00:34:44: Aber sie war auch essayistisch, literaturtheoretisch tätig und ich finde das es damals wichtige Bücher waren.
00:34:52: Wir haben im Deutschen Unterricht die doppelte Interpretation behandelt.
00:34:56: Wir haben zumindest Auszüge zu lesen gekriegt und zu diskutieren gekriegte im deutschen Unterricht aus Bundesliga.
00:35:06: Ich denke, beide Bücher würde man heute nicht mehr machen.
00:35:10: Man muss einfach sehen sie sind fünfzeig Jahre alt oder ein bisschen...
00:35:13: Aber Sie haben durchaus noch Bestand.
00:35:15: also wir haben jetzt bei der großen Dominausstellung haben wir einige Beispiele dann darauf zitiert und die sagten immer wieder war das Feedback Boah, wie modern.
00:35:24: Was finden
00:35:25: Sie gut an den Doppel in der Produktion?
00:35:27: Was finden sie gut an Wurzulirik heute?
00:35:30: Ja, Domin war ja... aufgrund ihrer eigenen Geschichte sehr neugierig, was die Lavant zum Beispiel mit dem roten Haar und was die Farbe Rot da bedeutet.
00:35:39: Sie wollte das wissen?
00:35:40: Die haben aber nicht damit rausgerückt!
00:35:42: Und sie hat dann gewohlt und hat gesagt, stellen Sie sich vor wenn später die Jugend diese Gedichte liest und dann wissen sie... Also sie müssten helfen.
00:35:50: und nein, sie gibt es nicht preis und sagt das nicht und das soll man so nehmen wie es stehen bleibt.
00:35:56: Ja, sie war einfach neugirig wie andere eigene Lyrik beurteilen und sie hat ja immer einen dritten dazu geholt, der dann eine Fremdinterpretation macht.
00:36:07: Und im Prinzip ist das der Vorläufer von den Frankfurter Antologien.
00:36:12: Denn nichts anderes hat der Reich Ranicki gemacht.
00:36:14: dass er andere Autoren ein Gedicht von einem anderen Autor interpretieren lässt Das hat man gerne gelesen.
00:36:21: Vor allem in Japan ist das eingeschlagen wie eine Bombe, dass an der Universität sechs Millionen Auflage hat dieses Buch in Japan gebracht.
00:36:31: Wahnsinn!
00:36:31: Deshalb kannte man Hildedomin auch und es gibt viele Gedichtbände auch die ins japanische übertragen worden sind.
00:36:38: Sie sind über dreißig Sprachen übersetzt oder noch
00:36:40: mehr?
00:36:40: Dreißig jetzt so.
00:36:42: Aber ganz besondere Sprachen also... sehr erfreulich, das ganz besonders.
00:36:48: Erst den Anthologien erschienen und dann ist man darauf aufmerksam geworden und hat immer wieder die mehrere zusammengefasst.
00:36:54: Natürlich oftmals gehört zur Interpretation in eine andere Sprache übertragen, dass man vom Leben Bescheid weiß – das ist ja ganz wichtig!
00:37:03: Wurzel Lyrik heute.
00:37:05: was gefällt Ihnen daran?
00:37:08: Dass man der Freiheit des Wortes eine Bresche schlägt.
00:37:12: Das denke ich, das ist mit Lyrik leichter möglich weil das Gedicht an Augenblick von Freiheit ist.
00:37:19: in dem Gedicht kombiniert alles was man aussagen möchte und man verkürzt es.
00:37:23: Das ist auch besonders wichtig.
00:37:25: also man braucht keine lange Erklärung wie im Prosa Text sondern man kann wenn das Bild gelingt mit ganz wenig sehr viel Aussage machen und es befreit den Schreiber, die Schreiberin auch von dem was sie quält.
00:37:43: Was ist ja Lieblingsgedicht oder was sind die zehn Lieblungsgedichte?
00:37:49: Also sicherlich gehört Bitte dazu.
00:37:53: wir werden eingetaucht um mit dem Wasser der Sinnflut gewaschen Wir werden durch Nest bis auf die Herz haut.
00:37:59: ein Gedicht das mir sehr gut gefällt Weil es eine ganz andere Hildedomin zeigt, ist harte fremde Hände.
00:38:09: Und wenn man immer sagt diese Gedichte die sind doch voller Liebe und voller Hoffnung und volla Optimismus an diesem Gedicht sieht man dass das Gedicht auch ganz hart sein kann also brutale Bilder und dennoch und dieses dennoch so typisch für Domino das gefällt mir so an ihr kommt immer wieder ein weiches ausklingen.
00:38:34: Und das ist auch bei diesem Gedicht so, harte fremde Hände geschrieben, seit fifty-two in Santo Domingo als Palm wie sie ihrem Bruder schrieb Dinge getan hat die man niemanden erklären und erzählen darf.
00:38:47: aber da wollte sie auf die Straße gehen und sich selbst prostituieren.
00:38:52: um ihm das alles zurückzuzahlen hat es dann natürlich nicht gemacht.
00:38:57: im Gedicht, und das ist wieder das Gedicht des Augenblicks von Freiheit.
00:39:00: Im Gedicht schreibt sich das alles von der Seele.
00:39:05: Harte fremde Hände sollen über mich fahren wie Pflüge und deine Wurzeln zerreißen!
00:39:13: Ich will meinen Körper einreiben mit fremdem Schweiss wie einer beizenten Salbe dass alle Poren vergessen wie du riechst.
00:39:23: Haare ohne Namen sollen auf meiner Haut liegen Wie Tannenadeln auf dem Waldboden.
00:39:30: Andere Lippen, die Augen küssen Die für dich weinen.
00:39:35: Und meine Seele, die dich sucht So natürlich wie abends Ein Vogel über das Meer fliegt Verliert die Richtung und kommt nie wieder an Land.
00:39:47: Schönes Gedicht
00:39:48: Ja Eindrucksvoll Spannungsgeladen.
00:39:53: Ich lese diesen letzten Passus ganz oft.
00:39:57: Und meine Seele, die dich sucht so natürlich wie abends ein Vogel über das Meer fliegt, verliert Richtung und kommt nie wieder an Land ganz oft den Todes anzeigen.
00:40:07: Ja.
00:40:08: Da muss ich dann immer...
00:40:09: Sieht es negativer Noah-Prinzip
00:40:13: der ausgeschenkten
00:40:14: Taube, die in
00:40:14: den
00:40:15: Licht zurückkommt, sondern sich verirrt?
00:40:17: Auch wieder einen Bibelmotiv, dass sie umkehrt.
00:40:21: So wie wir das ganz oft bei Hilde Domien haben zum Beispiel auch Auf welch verlässlichen Stern?
00:40:30: In der Zeit, als sie sehr glücklich war und ihr Verhältnis zu Palmen reflektiert.
00:40:40: Das kleine schwarze Schaf, das Stößige mit weißen Locker und den zärtlichen Augen.
00:40:47: Wo führe ich es hin?
00:40:48: Wo schließe ich es weg?
00:40:50: in welches sicheren Stall mein kleines Schaf Wenn die Gefahr kommt, Die furchtbare Pest, Die alle Herden versäucht.
00:41:00: Schon öffnen sie die Gräben Für das große Sterben Und halten die Fackeln bereit für Das Verbrennen der Leichen.
00:41:09: Ich armer hilfloser Hirte Mein Schäfchen mit den zärtlichen Augen.
00:41:15: Auf welche Alm auf welch verlässlichen Stern Mit guten Kräutern rett ich es hin.
00:41:21: Denn Gott gab mir das scharf Das stößegekleine Schaf mit den zärtlichen Augen und sagte, hier hast du dein Schaf.
00:41:31: Ein lebendiges Schaf für die grünen Weiden des Herzens!
00:41:35: Du darfst mit ihm spielen – du bist nicht mehr allein.
00:41:39: Doch eines erwarte ich von dir in diesem Leben Nichts sonst.
00:41:43: Pass mir gut auf, auf mein Schaf.
00:41:47: Auch toll und ganz typisch wie sie Bist so unterscheidbarkeit Das Schicksal von Shoah verfolgten mit dem Schicksall ihre persönlichen Liebe amalkiert.
00:42:02: Ja, also wirklich ein Verschmelzen lassen.
00:42:06: Man erinnert sich an Saint-Tix-Syperie mit dem scharf, das kleinisch stössige Schaf.
00:42:12: Da kommt dann die Rose als Stützener.
00:42:13: Das sind alles die Bilder, die dominien sicher auch.
00:42:16: Und auch
00:42:16: die Motiven natürlich.
00:42:17: Der gute Herd.
00:42:19: zeigt, dass diese ganzen Bibel-Motive in Hildedomin ganz tief schlummern.
00:42:24: Meine
00:42:25: Damen und Herren, Sie waren in den letzten Jahren ... Ich weiß nicht wie lange ich glaube fünf ... In den vergangenen Jahren lebten sie eine Vertraute einer
00:42:35: Freundin.
00:42:36: Freunden?
00:42:37: Ja!
00:42:38: Sie waren auch unmittelbar in der Nähe der Umstände, als sie gestorben ist.
00:42:45: Das haben sie auch in ihrer Biografie geschrieben.
00:42:48: Mein Vorschlag wäre, dass Sie diese Passage lesen.
00:42:55: Also ich habe das als Prolog vorausgesetzt weil ich eben nicht mit dem Tod enden wollte bei Hildedomänen in der Biografie sondern... Ich beginne mir dem Tod weil ihr da ja erst nahe gekommen bin und weil ich da erst die Möglichkeit hatte in Ihr Leben reinzuschauen durch die vielen Briefe bei der Nachlassverwaltung und quasi zurückgeblättert haben in Ihrem Leben
00:43:18: Denn sie war nicht so toll und bereit zu selbst auskünfen.
00:43:22: Nein, das war ganz klar!
00:43:24: Das sollte nach ihrem Tod geschehen... Da fand man ja diese viele tausend Briefe in Ihrem Kleiderschrank Und Sie schrieb im Jahr neunzeigseixundsechzig schon an einen Romanisten Mein Leben wird einmal ein interessanter Gegenstand für Literatur-Geschichtler
00:43:38: werden.
00:43:39: Sie wollte, dass man es findet?
00:43:40: Die hat's ja vernissen können.
00:43:41: Im Moment ist es mein Gegenstand Und sie hat keiner dieser Briefer mit irgendeinem Sperrvermerk versehen.
00:43:47: Das war ja quasi der Hilferuf.
00:43:50: Also die Mindestautopie hält so lange, bis ja beide nicht mehr da sind.
00:43:55: aber dann soll die Welt doch einfach sehen wie meine Gedichte entstanden sind und was mich getragen hat dass das die Worte waren und nicht unbedingt das andere.
00:44:06: Und was machst du heute morgen?
00:44:09: Ich gehe in die Stadt und kaufe Handschuhe.
00:44:11: Wer geht denn mit?
00:44:12: ich gehe alleine.
00:44:13: das kann ich gut genug.
00:44:15: O Hilde, da nimm doch den Stock mit überer liegend türkischer Eisplatten auf dem Geh wegen.
00:44:20: Du sollst mich nicht älter machen als ich bin!
00:44:22: Ich geh noch recht gut ohne
00:44:28: Stock.".
Neuer Kommentar