Folge 67: „Die geprügelten Tage, die so zutraulich begannen“
Shownotes
Die Dichterin Hilde Domin, eine der bedeutendsten deutschen Nachkriegslyrikerinnen, ging 1932 mit ihrem späteren Ehemann Erwin Walter Palm zum Auslandsstudium nach Italien, das mit Hitlers Machtübernahme zum ersten Exil wurde. Abenteuerliche Fluchten über Frankreich, England, die Dominikanische Republik nahmen den Jahren jegliche Zutraulichkeit.
Vor allem aber die konfliktreiche Ehe machten die 22 Jahre Exil zu „geprügelten Tagen“, die Hilde Domin überlebte, indem sie ihnen das Dennoch ihrer Buchstaben entgegensetzte. Schreiben war Atmen. Schreiben provozierte neue Auseinandersetzungen mit ihrem dichtenden Ehemann. Domins Gedichte aber wurden so zu Augenblicken der Freiheit, zu magischen Gebrauchsgegenständen. Zeitlos. Aktuell – und anwendbar für jedermann.
In Folge 67 und 68 blenden Marion Tauschwitz, Biografin, Mitarbeiterin und Freundin Hilde Domins und Theo Schneider in Lesung und Gespräch Leben und Literatur der Autorin auf – vom Elternhaus in Köln über die langen Jahre des Exils bis zu den Jahrzehnten in Heidelberg.
Da ihre Biografin Marion Tauschwitz tausende nachgelassene Briefe und Skripte sichten konnte, eröffnet sich nicht zuletzt auch in diesen Folgen von podcastliteratur.de ein neues, zu ihren Lebzeiten unbekanntes Bild der Frau und Dichterin.
Transkript anzeigen
00:00:00: Sie hören Podcast-Literatur.de von Theo Schneider und der Volkshochschule Kaiserslautern, hier mit Folge sixty-seven.
00:00:09: Die gebrügelten Tage, die so zutraulich begannen an Jahrhundert leben – die Dichterin Hilde Domien.
00:00:19: Abel stehe auf!
00:00:22: Abelsteh'auf!
00:00:23: Es muss neu gespielt werden.
00:00:26: Täglich muss es neu gespielt werden, täglich muss die Antwort noch vor uns sein.
00:00:32: Die Antwort muss ja sein können!
00:00:36: Wenn du nicht aufstehst Abel wie soll die Antwort diese einzig wichtige Antwort sich je verändern?
00:00:43: Wir können alle Kirchen schließen und alle Gesetzbücher abschaffen in allen Sprachen der Erde wenn du nur aufstehst und es rückgängig machst.
00:00:52: Die erste falsche Antwort auf die einzige Frage, auf die es ankommt.
00:00:57: Steh auf!
00:00:59: Damit kein sagt, damit er es sagen kann Ich bin dein Hüterbruder.
00:01:06: Wie sollte ich nicht dein Hütter sein?
00:01:09: Täglich.
00:01:09: steh auf, damit wir es vor uns haben.
00:01:12: dieses Ja, ich bin hier, ich dein Bruder Damit die Kinder Abels sich nicht mehr fürchten weil kein nicht kein wird.
00:01:22: Ich schreibe dies, ich ein Kind Abels und fürchte mich täglich vor der Antwort.
00:01:29: Die Luft in meiner Lunge wird weniger wie auf die Antwort warte.
00:01:33: Abel stehe auf damit es anders anfängt zwischen uns
00:01:38: allen.".
00:01:41: Über das Gedicht werden wir möglicherweise oder vermutlich sogar noch reden nämlich was es ausgelöst hat oder haben könnte.
00:01:49: Also dieses Gedichtabel Ste-Auf ist von Hilde Domien und die Stimme, die Sie gehört haben.
00:01:55: Die gehört Marion Tauschwitz.
00:01:58: Sie ist heute unser Gast.
00:02:00: Sie isst.
00:02:01: Expertin, Freundin, Mitarbeiterin, Nachlassverwalterin und die letzte Vertraute von Hildedomien Autorin und Herausgeberin von fünf Büchern über und mit Hildeddomien aber vor allem eben auch ihrer Biografin.
00:02:19: Sechshundert Seiten umfasst ihre große Biographie über Hildedomin, der in jüngste Fassung zwanzig fünfzehn im Zugklappenverlack erschien ist.
00:02:29: Ihr Titel Hildeddomin, dass ich sein kann wie ich bin!
00:02:33: Herzlich willkommen, Marion Tauschwitz und vielen Dank, dass Sie von der Kurpfalz über den Rhein gekommen sind.
00:02:41: Germanistinnen, aber auch Autorin.
00:02:44: Was haben Sie denn alles noch geschrieben?
00:02:46: Außer den Büchern über Domänen.
00:02:49: Guten Tag erst mal!
00:02:50: Danke für die Einleitung.
00:02:52: Ich habe in erster Linie viel Freude am Schreiben von Biografien weil ich mich da erstmal mit der Recherche sehr befasse Und dann aber auch eintauchen kann in die Menschen.
00:03:04: Das ist mir immer ein großes Anliegen, so die Hintergründe zu festzustellen – auch bei Dominen damals!
00:03:10: Es war ja nicht absehbar, in welche Richtungen diese Biografien gehen werden.
00:03:14: Ich habe Künstlerbiographien verfasst... Ich habe zwei Romane geschrieben, darunter auch ein Psycho-Thriller.
00:03:20: Die heißen die Romangerbe?
00:03:21: Schlägt die Nachtigall am Tag – das ist eine Trauerverarbeitung, ein bisschen autobiografisch und sicherlich mein persönlichstes Buch!
00:03:30: Und als andere ist der Gesang der Schneckenhäuser einen Psycho Thriller, der sich um Kindesmissbrauch dreht aber in der Art und Weise wie es dem jungen Mädchen gelingt sich von diesem Vater zu befreien und spielt eben in besten Kreisen auch ein bisschen so raus aus dem Milieu, dass man sehen kann das trifft alle Schichten.
00:03:52: Das ist kein spezielles Problem für prekäre Situationen.
00:03:57: ich bin ja Gott sei Dank und erfreulicherweise sehr gefragt als Autorin für Lexika Einträge.
00:04:04: da habe ich beim großen baden-württembergischen lexikon den eintrag über hilde domin gemacht auch mit der Literaturstadt Heidelberg.
00:04:14: Da haben wir jetzt gerade mit der IBA, mit den großen Ausstellungen die Architektur, die Heidelbergen neu verändern sollen.
00:04:21: Haben wir ein Logbuch rausgegeben wo die Literaten und Literatinnen sich befasst haben damit wie eine Stadt sich in der Planung verändern kann.
00:04:30: Das ist eine tolle Sache gewesen.
00:04:33: ja und dann so immer wieder setze ich mich als, ich sage jetzt mal den Anführungszeichen Literaturbotschafterin für die Literaturstadt Heidelberg ein.
00:04:42: Seit das nun beim UNESCO-Welterben Losch dass wir da auf die Straße gehen Menschenansprechungen versuchen sie für Literatur vor allem auch für Poesie zu sensibilisieren.
00:04:54: Eigentlich bin ich da ganz auch in der Tradition von Hilde Domien, nämlich den Menschen zugewandt zu sein und mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
00:05:02: Hildedomin war ja eine große, wir reden natürlich noch, eine große Literaturvermittlerin, vor allen Dingen natürlich Vermittlerin der eigenen Literatur.
00:05:09: Ja aber man darf nicht vergessen auch für andere.
00:05:13: sie hat immer wieder versucht junge Talente zu fördern.
00:05:16: Sie leben in Heidelberg?
00:05:18: Sie sind glaube ich auch in Heidlberg geboren.
00:05:21: Ich bin in der damaligen DDR noch geboren, in Sachsen.
00:05:25: Aber da habe ich nur drei Monate gelebt und dann sind wir rüber gemacht wie man so sagte.
00:05:31: Und seit meinem ersten Lebensjahr bin ich mit dem Südbaden groß geworden im Offenburg.
00:05:36: Aber Sie leben schon lange in Heidelberg?
00:05:38: Ja!
00:05:38: Das gilt auch für die Hildedomin.
00:05:41: Das war Ihr wichtigstes Domizil.
00:05:47: des zweitwichtigsten Und zweit längste war vermutlich ihre Kindheit und Jugend in Köln.
00:05:53: Sie ist in Kologne geboren, und das dritte dann die Dominikanische Republik.
00:05:59: Also in Kölln wurde Hildegard Diener Löwenstein in Koln geboren.
00:06:09: Dieser Nachname ist unverkennbar als höchstwahrscheinlich Jüdischer zu identifizieren – sie ist in einer jüdischen Familie geboren.
00:06:19: War diese Familie, wie ist sie da großgezogen worden?
00:06:24: Was dürfte sie dann machen.
00:06:26: Wie war die Atmosphäre in Köln?
00:06:28: eine Großbürgerliche oder ... Das war schon
00:06:30: eine Großbürgerliche Familie.
00:06:33: der Vater Dr.
00:06:34: Eugen Siegfried Löwenstein war Rechtsanwalt aus Düsseldorf.
00:06:39: Die Mutter war Domin sagt immer wieder Ausgebildete Sängerin.
00:06:43: aber das war im Prinzip damals die Ausbildung.
00:06:47: Wohl situierte Familien, jüdische Familien ihren Töchtern haben angedeihen lassen.
00:06:53: Eine gute solide Ausbildung und Gesangsunterrichtung Klavierunterricht damit sie quasi dem Mann eine geistige Unterstützung sein könnten für sein tägliches Berufsleben.
00:07:06: das war der Ausgleich dann zu Hause.
00:07:08: Und das war ja auch der Angriff der Frauen dass sie gesagt haben Das will ich nicht länger so machen.
00:07:13: Ich will mein eigenes Rüstzeug für mich selbst haben Assimiliertes Elternhaus, also Hilde Domin sagt immer wir haben Weihnachten gefeiert.
00:07:22: Wir haben Oster-Eier gesucht.
00:07:24: sie hat auch den jüdischen Religionsunterricht nicht besucht wird auch nicht hebräisch gelernt weil der Vater sagte englisch französisch deutsch latin das ist genug das reicht mehr brauchst du nicht so wissen um Leben zurück zu kommen.
00:07:39: Ja, sie hat lange mit dem Begriff Jude gar nichts anfangen können.
00:07:43: Sie hat abends mal gefragt ihren Vater was ist eigentlich ein Jude?
00:07:47: und sagte er das ist eine Religion die wir auch haben aber nicht so praktizieren.
00:07:52: Und Tobin sagt immer ich bin Kölnerin in Köln bin ich gewohnt worden Aber Heidelberg – Sie haben das vorhin angesprochen – Heidelberg hat mich geformt.
00:08:01: Da wurde sie mit dem geistigen Rüstzeug versehen, während sie im Elternhaus mit dem Urvertrauen versorgt worden ist, dass sie später durch ihr gesamtes Leben ziehen würde.
00:08:13: Da
00:08:13: wollte ich drauf hinaus!
00:08:15: Denn meine zentrale Frage ist doch... Heute ist ja so dieser Begriff der Resilienz modern geworden und im Umlauf.
00:08:24: Die Lidomin hatte ja in etlicher Hinsicht sowohl was das Exil betrifft Der
00:08:33: Exile, sie legte immer Wert drauf auf dem Flural.
00:08:36: Als auch was die Beziehung zu ihrem Mann, da werden wir gleich noch darüber reden, betroffen hat ... ja sehr geplagt und verbrügelt.
00:08:46: deshalb auch der Titel.
00:08:48: Auf der einen Seite war sie irgendwie unerschütterlich munter, quickisch das heißt Sie muss... Das wäre jetzt meine Hypothese In dieser Kindheit und Jugend in Köln von ihrer Familie etwas Ungeheuer Wichtiges mitgekriegt haben.
00:09:06: Ein so großes Paket an Resilienz, dass sie das eigentlich fast unbeschadet bis auf die Frau, die das alles mit sich gebracht hat überstanden
00:09:17: hat.
00:09:18: Ja ... Die Mutter von ihr war im Haushalt sicher Ton angebend.
00:09:23: Das war, wenn man die Fotos sieht könnte man denken Hildedomin ist eine Miniaturausgabe ihrer Mutter.
00:09:30: Miniaturausgabe insofern als Hildeddomine-Einz-Achtenfünfzig groß war.
00:09:35: und diese kleine Frau hat aber so eine Kraft in sich gehabt und so eine Resolutheit dass man ganz vergessen hat wie körperlich kleiner sie ist weil sie so innerlich groß war.
00:09:46: Die Mutter hat sie sehr bestärkt in allem was die Kinder gemacht haben, Hilde Domin hat sich Kleider entwerfen lassen von ihrem Bruder Sie durften Tiere haben, sie dürfen in der Wohnung toben, die Mutter hat das alles zugelassen und sie durften sich bilden.
00:10:01: Das war vor allem auch ganz wichtig dass sie den Bücherschrank des Vaters erst den unteren Teil nicht aber später.
00:10:08: dann als sie groß genug verständigt genug war dürfte sie dann alle Bücher lesen bis ihr die Augen zugefallen sind, sehr das alles durchgelesen und diesen ganzen Bildungsschatz.
00:10:21: Den hat ihr das Elternhaus vermittelt aber auch die Aufrichtigkeit.
00:10:25: Denn die Mutter war eine ganz Resolute, die keinen Süßholz geraspelt hat und genauso ist Domine auch geworden.
00:10:33: sie war unheimlich großherzig ihr etwas nicht gepasst hat oder sich unruhig geworden ist, dann wurde sie vehement und dann hat die kleine Faust die Luft durchschnitten wie ein Peitschenhip.
00:10:46: Und die Worte waren genauso treffend.
00:10:49: Das hat sie bei allen durchaus exerziert und das hat sie bis zum Lebensende praktisch durchgehalten.
00:10:55: Diese Erziehung dieser Bildung und diese Freizügigkeit dieser Liberalität auch ja es eigentlich eine wunderbare Erziehungen für Kinder erinnert mich auch Anna Segers in Mainz mit ihrer Familie gegangen ist.
00:11:10: Das war ähnlich, die durfte auch machen was sie wollte.
00:11:13: Wurde immer verteidigt hat ein wunderbares Wellness zu ihrem Vater gehabt War eine assimilierte Familie.
00:11:20: Die waren sozusagen jüdischer jetzt als die Löwensteins waren und hatten auch Bekanntschaften Verwandtschaften zum großbürgerlichen Frankfurter Jüdischen Bürgertum.
00:11:33: Ja da kam ja die Mutter her das ist vielleicht auch noch ganz interessant eine geborene Trier, die aus Frankfurt kam und da auch sehr viel Feedback bekommen hatte von einem großbürgerlichen Frankfurter Elternhaus.
00:11:45: Aber eben auch laissez-faire was so diese Religion anbelangt hat.
00:11:50: entsprechend wurde auch Hilde Domines Schulausbildung dann in die Wege geleitet.
00:11:55: sie hat in den Anfangsjahren hat sie Privatunterricht zu Hause gehabt von einer Lehrerin und später dann wurde sie auf das Merlot-Mévisen-Gymnasium geschickt von Omer Loméwissen gegründet worden, weil deren Vater ihr die eigene Bildung versagt hatte.
00:12:12: Und als der Tod war hat sie ihr ganzes Erbe in die Gründung eines Mädchengymnasiums gesteckt und auch da wurden diese sehr liberal erzogen.
00:12:21: zum Beispiel konnte Hilde Domén schon ganz früh einfach Handarbeit – das hat sie gehast!
00:12:27: Das konnte sie abwählen und hat stattdessen ein anderes Fach gewählt.
00:12:31: Und sie hat sich in der Politik sehr engagiert, damals schon in Frauen fragen?
00:12:38: Und sich sehr für Europa interessiert und für Europa eingesetzt.
00:12:41: dieser europäische Gedanke.
00:12:43: Er war ihr sehr vertraut, er hat dann die Abitursnote versaut, denn das passte nicht ins Bild der Prüfer, die von auswärts kamen.
00:12:52: Sie war zum Beispiel bei dem Internationalen Frauentag in Köln, und da war sie delegierte vom Merlot-Meywiesen-Gymnasium um ihre Schule dort zu vertreten.
00:13:03: Das
00:13:04: ist kaum bekannt in der Öffentlichkeit?
00:13:05: Ja, ja.
00:13:07: Ich habe das alles im Kölner Stadtarchiv recherchiert und da die ganzen Unterlagen von Merlot-Meywiesen-Gymnasium, die ganzen Jahrbücher...
00:13:14: Aber das noch nicht untergegangen!
00:13:17: Und dann ist das kurz bevor die Biografie rauskam und ich saß vierzehn Tage vorher noch in diesem Stadtarchif.
00:13:25: Da hab' ich gehört mein Gott jetzt es ist untergegangene.
00:13:30: Die Domine hat sich nie explizit Als jüdische Autoren verstanden.
00:13:34: oder kann ich das explizit auch streisen, weil von wem ist der Spruch eigentlich?
00:13:40: Jude ist der den Hitler dazu gemacht hat.
00:13:42: Das hat auch Hildedomin ganz oft gesagt
00:13:45: und deshalb war sie Jüdin!
00:13:47: Der Hitler hat sie ja zur Jüdin dann gemacht.
00:13:50: Wir reden gleich darüber auf welchem Umweg.
00:13:52: Ja
00:13:53: Sie hat gesagt... von Hitler zur Jüdin gemacht worden.
00:13:56: Man hat mich in diese Schicksalsgemeinschaft hineingestoßen, die ich freiwillig nicht gewählt
00:14:02: habe.".
00:14:03: Das hat sie auch nach ihrer Rückkehr noch nach Deutschland später in dieser Art Aufrechterheit.
00:14:09: Das fällt mir jetzt ein.
00:14:10: Ihre Gedichte auf Bilder, auf Zitate, auf Reminiszenzen, Bibel oder Torah?
00:14:19: untersucht, dann fällt auf.
00:14:22: Sie hat ständig und oft biblische Anspielungen, direkte Zitate oder abgewandelte Zitate.
00:14:30: Mir fällt jetzt auf Anhieb kaum oder gar nichts jüdisches
00:14:34: ein.".
00:14:35: Naja, die Bibel und die Torah sind ja in ihrem im alten Testament verwandt.
00:14:41: Und sehr ähnlich!
00:14:42: Wenn Dominen-Bibel-Zitate oder Bibelfergleiche bringt, Bibelbilder einbaut dann stammen sie alle aus dem Alten Testament.
00:14:51: Hilde Domin war sehr biblfest und deshalb konnte sie auch die Bibels im Prinzip dialektisch umdeuten.
00:14:57: Schauen Sie auch dir diesen Abelsteh auf, was wir gerade gehört haben?
00:15:01: Bei Schullesungen hat sie immer als erstes gesagt, kennt ihr dennoch keinen Unabel bis er noch etwas der gemacht hat.
00:15:07: Opfer und keiner den Abel erschlagen und so... Ja!
00:15:11: Und dann kommt das Gedicht und dann sagen die ja warum soll der Abel aufstehen damit kein nicht kein wird.
00:15:18: Der Kein ist doch böse.
00:15:21: Das ist das, wenn man da ein Hilde Domins Leben sieht und den Wertegang dieses Gedichtes auch.
00:15:26: Dass dann in der Fassung neunundsechzig erscheinen ist, aber sechsundvierzig schon in Santo Domingo angelegt worden ist.
00:15:35: Dann sieht man dass es ein Gedicht ist, einen Aufruf zur Vergebung.
00:15:40: Nämlich wenn nicht kein Nichtmörder werden soll, dann muss der Abel quasi
00:15:50: Und jetzt machen wir mal ganz plate Küchenpsychologie, die Heldedomine der Abel und zwar ein Doppelter.
00:15:58: Sie ist einmal das Opfer als politisches Opfer der Nazis aber sie ist auch das Opfe Iris Mannes.
00:16:08: da müssen wir gleich noch oder bald drüber reden.
00:16:13: Und das ist eines
00:16:14: der ersten Gedichte, die sie geschrieben hat, denn sie hat ja das vorweg schon mal sehr spät angefangen zu schreiben.
00:16:22: erst mit Wie alt war sie da?
00:16:24: Ja, so bin
00:16:24: ich.
00:16:25: Aber kann man auch nicht sagen, denn ab neunzehnt hat sie die Gedichte von ihrem Erwin Walter Palme rezensiert korrigiert ausgebessert.
00:16:35: Stellung dazu Nein keine eigene aber das ist Lektoratsarbeit at its best.
00:16:41: In dieser Zeit in Santo Domingo hat Palm diese Metapher gebraucht.
00:16:47: wenn deine Gedichte also wenn dein Opfer so gut angenommen wird von Gott, also der Pfenngemeinde.
00:16:55: Dann werde ich dir deinen Atem abdrehen.
00:16:59: Deinen göttlichen Atem, der das bewirkt, dass deine Gedichte so gut angenommen werden?
00:17:04: Dann werde Ich zum
00:17:05: Keinwerden.".
00:17:06: Und da hat sie geschrieben im Brief ... Der Vergleich mit Keine und Abel.
00:17:10: Das hat Sie entsetzt!
00:17:11: Wie kann der Mann den sie liebt, ihr Androhnen den Atem...
00:17:17: abzudrehen?!
00:17:17: Wir reden drüber warum er wenn pein zu.
00:17:22: Und daraus entstand vielleicht dann viel später auch nochmal in Heidelberg ein Gedicht, das jetzt hierzu ganz gut passen würde.
00:17:47: Immer das Wort, das heilige Wort einen Mund.
00:17:58: Das passt eigentlich, finde ich hierher, denn sie war überzeugt, dass das Wort ihr Heilig ist für, dass sie kämpfen wird, dass es überleben wird.
00:18:07: Immer wieder wird das Wort gehört werden und Sie wird dieses Heilige-Wort den Heiligen Atem nicht aufgeben.
00:18:15: Und sie kannte zu der Zeit ja zum Beispiel noch Nichtrose Ausländer Aber Rose Ausländer hat ja auch mit diesem Atem ein und aus, dieses Ein- und Ausatmen was so wichtig ist.
00:18:27: Und deshalb darf man jemanden nicht die Luft nehmen, darf die Abelluft nicht abschnüren...
00:18:34: Als Kind hat sie das ja gehabt, die Familie, die Erziehung hatte genau diese freie Luft
00:18:40: diesen Atem erlaubt?
00:18:42: Ja, nicht nur erlauben sondern auch vermittelt.
00:18:47: Ganz
00:18:48: bestimmt die Freiheit des Wortes wurde da hochgehalten.
00:18:52: In dem
00:18:52: Jahr neunzehntneinundzwanzig ist sie nach Heidelberg gekommen zum ersten Mal also zum Studieren, zum Bleibenbesuch.
00:19:00: Da hat sich die Stadt wohl vermutlich schon.
00:19:03: Sie hat sich für Rechtswissenschaften zuerst eingeschrieben, was vermutlich der Karriere des Vaters geschuldet
00:19:10: war.
00:19:11: Ja ja, da ist schon so ein roter Faden, der sich dadurch zieht.
00:19:14: Warum Heidelberg?
00:19:16: Weil da schon ihre Cousine Edith Löwenstein gewesen ist.
00:19:21: Die zwei Cousinen sind mit Sicherheit zusammen in die Uni haben sich gegenseitig bestärkt und haben beide Jura studiert.
00:19:28: Jura sicherlich... aus Rücksicht auf den Vater, weil der ihnen ein gutes Elternhaus garantiert hat.
00:19:35: Und Hilde hat aber dann schon gleich angefangen in dieser Zeit sich auch noch anders zu orientieren.
00:19:41: Nationalökonomie die heutige Volkswirtschaft hat sie sehr interessiert diese Zusammenhänge mit Wirtschaft und mit Wachstum.
00:19:48: Ich kenne sie nur als Blonde.
00:19:51: Sie ist aber eine dunkelhaarige,
00:19:53: dunkelbraun
00:19:53: glaube ich gewesen.
00:19:54: Ja also die Jugendbilder sieht man ja auch wenn sie das kleine Foto anschauen.
00:19:59: Also eine ganz hübsche dunkelharige, dunkellockige Frau und sie hat dann dieses Eingefärbte gehabt vor allem weil sie nach Deutschland zurückgekommen ist Ja, weil sie nicht als dunkle Jüdin gelten wollte.
00:20:12: Also das hat sich ganz bewusst aufgegriffen dieses Vorurteil dass man hatte wenn man diese dunkelhaarigen jungen Mädchen sieht denken Sie an Selma Meerbaum, denken Sie in Rosa Ausländer alles sehr hübsche dunkelharige dunkelgelockte Frauen die dann versucht haben aus diesem Image irgendwie wegzukommen rein äußerlich.
00:20:34: War das mehr instinktiv oder war es... Angst wollte sie nicht mit dem Nazi-Erbe, das natürlich in der Bundesrepublik noch geherstellt
00:20:43: wurde.
00:20:44: Das war schwierig und man hat ihr damals gesagt bei der Rückkehr im Zug haben einige sie angesprochen und haben gesagt sagen Sie nie dass die Jüdinnen sind?
00:20:54: Das wird ihnen hier in der bundesrepublik nicht gut bekommen.
00:20:57: Und das war so eine angst die dann doch drin saß.
00:21:00: nach außen so forsch Hat sie aber diese angst doch immer verinnerlicht die angst versehrt zu werden.
00:21:08: In den letzten Jahren ist sie in die SPD eingetreten.
00:21:14: Sie war sicher keine Politikerin, aber sie war ein politisch bewusster Mensch.
00:21:23: Das expliziteste war, dass sie den Aufruf Willy Brandt zu wählen mit unterschrieben hat.
00:21:31: Aber ansonsten war sie doch eher, also vor allen Dingen dann wenn die Forderungen extremer wurden, ihr zurückhalten.
00:21:41: oder hat sich dann zurückgenommen?
00:21:43: Ja.
00:21:44: Sie wollte in gewisser Weise Notrufer sein – sie sagte, sie ist zurückgekommen als Ruferin.
00:21:51: Politisch hatte sich nicht nur da engagiert zum Beispiel, dass die Ausländer-Gesetze als neunzeltfünfundsechzig verschärft werden sollten.
00:21:59: Da hat sie das Gedicht... Ich will dich
00:22:01: geschrieben.".
00:22:02: Und das fängt auch wieder so an.
00:22:05: Freiheit, ich will dich!
00:22:07: Aufrauen du Geleckte mit Glassplittern will ich dich spicken dass du niemandes Ball wirst und auf der Zunge stichst und stach ist und nicht rundgelegt werden kannst.
00:22:19: Dann hat sie das nochmal geschrieben.
00:22:21: als dann die Krise der Tschechen war und die russischen Panzer einrollten, dann hat sie das wieder aufgegriffen.
00:22:32: Und das ist so ein Beispiel finde ich dass die Domingedichte kein Verfallsdatum tragen.
00:22:39: Die sind anwendbar für jedermann zu jeder Zeit und das ist auch letztlich das Handwerk das Domin beherrscht hat.
00:22:47: Sie hat die Gedichte individualisiert, so dass jeder sich wieder darin finden kann.
00:22:55: Graue Zeiten heißt das Gedicht... Grüß mal lesen!
00:22:58: Ja bitte!
00:22:59: Also, neunzeigundsechzig geschrieben.
00:23:03: Als alles in Bewegung war also die vor revolutionären Gedanken kamen und Dominien gemerkt hat hier passiert wieder was.
00:23:11: auch die Nazis kommen wieder hoch.
00:23:13: Grauzeiten.
00:23:16: Es muss aufgehoben werden als Kommen ist aus grauen Zeiten.
00:23:20: Menschen wie wir, wir unter ihnen fuhren auf Schiffen hin und her und konnten nirgends landen.
00:23:28: Menschen wie Wir – wir unter Ihnen durften nicht bleiben und konnte nicht gehen!
00:23:35: Menschen wie WIR – wir Unter ihnen grüßen unsere Freunde nicht und wurden nicht gegrüßt.
00:23:42: Menschen Wie Wir – Wir unter ihnen standen an fremden Küsten um Verzeihung bittend das es uns
00:23:49: gab.".
00:23:51: Menschen wie wir, wir unter ihnen wurden bewahrt.
00:23:56: Menschen wie Wir, wir Unter Ihnen, Menschen wie Ihr, ihr Unter Ihnen jeder kann ausgezogen und nackt gemacht werden.
00:24:06: Die nackten Menschenpuppen nackte als Tierleiber unter den Kleidern der Leib der Opfer.
00:24:13: Ausgezogen die noch morgens die Schalen um sich haben weiße Körper.
00:24:20: Glück hatte nur wer gestoßen wurde von Pol zu Pol, die Graunzeiten.
00:24:26: Ich spreche von den Graun-Zeiten als ich jünger war, als ihr jetzt und das ist so aktuell geblieben.
00:24:36: Das hat Gültigkeit bis heute Und es kommt auch durch die Art und Weise wie Domin eben das neutralisiert und anwendbar macht für jedermann.
00:24:46: Als sie end individualisiert die Sätze ihr Schicksal, aber sie entpersonalisiert nicht.
00:24:54: Also dagegen ist.
00:24:55: dazwischen muss sehr genau unterschrieben werden.
00:24:59: Die Person Hildedomin und ihre Lebenswege stecken da drin sich schiebern durch.
00:25:06: Aber die Identität Hildeddomin ist es nicht.
00:25:09: Es hat was mit ihrem Leben zu tun, aber das ist nicht zwangsläufig gebunden an ihr Schicksalm.
00:25:15: Nein also jeder kann sich dieses Gedicht anereignen.
00:25:19: Denken Sie an das Gedicht, wen es trifft?
00:25:22: Das ist so ... das längste Gedicht.
00:25:24: Das hat es in uns seit dreiundfünfzig geschrieben und hat quasi ihr ganzes Leben darin aufgearbeitet auch das Leben mit Palm.
00:25:31: Und das hat viele Einzelpassagen, wen Es trifft Der wird aufgehoben wie von einem riesigen Kran und abgesetzt auf einer Straße, wo nichts mehr gilt.
00:25:41: Man wird durch die äußersten Siebe des Schmerzes gepresst das Nichts mehr übrig bleibt und die Knochenhaut bloß liegt.
00:25:50: also sie hat diesen Schmerz so dramatisch beschrieben Aber ohne jetzt blutrünstig werden zu müssen, aber sie hat die Bilder gefunden wo man wirklich sagen kann ja das ist ein Schmerz den Menschen erleiden wenn Sie eine schwere Krankheit haben.
00:26:06: Aber dass es auch der schmerz dem menschen erspüren wenn sie von der großen liebe verlassen werden oder politisch.
00:26:12: Ja also das ist auf allen ebenden anwendbar und deshalb hat sich selbst in ihrem poetik vorlesungen gesagt Also die Gedichte sollen magische Gebrauchsgegenstände werden, anwendbar für jedermann in jeder Situation.
00:26:28: Das finde ich einen schönen Ausdruck magischer Gebrauchsgegenstände weil das so natürlich ein Widerspruch ist oder besser gesagt dann so eine wunderschöne Dialektik.
00:26:37: Ja, die Magie, die wohnt diesen Gedichten ja noch inne und sie hat aber auch immer Wert darauf gelegt dass die Gedichtegebrauchsgenständen werden nämlich man soll mit diesem Gedichten arbeiten.
00:26:49: Poesie und Gedichte schreiben ist wie Liebemachen.
00:26:52: Nämlich man wird gut drin, je öfter man das probiert.
00:27:13: Ihr Unglück kennen Sie würde mir heftig widersprechen vermutlich, wenn sie dir sitzen würde.
00:27:20: Da lernt sie Erwin.
00:27:22: Walter Gill heißt er Walter.
00:27:24: Walter
00:27:25: Palme kennen
00:27:26: Erwin nach dem erfinde der Bauer des Straßburger Münsters Walter Nachdem von der Vogelweide
00:27:32: Also hoch am Namen unschwer zu erkennen, aus jüdischer Familie.
00:27:38: Wer war das?
00:27:38: Wo kommt er her?
00:27:39: Wie alt war der zu dieser Zeit?
00:27:41: Hilde Domienweiler, einund dreißig minus neun sind zwei und zwanzig.
00:27:46: Und
00:27:46: Erwin war zwanzzig.
00:27:48: Aha!
00:27:48: Zwei Jahre früher.
00:27:49: Er kam aus Göttingen und hat in Heidelberg studiert weil er seinem großen Ideol Stefan George folgen wollte den guten Vertrauten Gundolf in Heidelberg hatte, der Lesungen gemacht hat.
00:28:04: Aber der Gundolf ist dann leider sehr, sehr früh gestorben.
00:28:06: Palme hatte gar nicht seine Lesung besuchen können?
00:28:08: Da finden wir nur unser kastischer Spruch jetzt ein so schlechtes Leben wie Stefan Jorge geführt hat – so schlecht hat sich Erwin Walter-Palm nach seinem Vorbild genommen!
00:28:20: Ich mag... Stefan Georgi überhaupt nicht.
00:28:24: Er heißt bei mir intern nur der Kinderfigur, kommt in den totgesachten Park.
00:28:29: das ist eine Aufforderung Jungs nicht nur zu verführen sondern zu missbrauchen einfach im Park.
00:28:37: Ja, das ist mal ein ganz anderes Kapitel.
00:28:39: Und wenn man die Biografie liest und immer wieder dann auch Hinweise ließ zu wem sich Erwin Walter Palme also Zugstiff an.
00:28:47: George hat einen sehr guten Freund gehabt den Kaspari.
00:28:50: mit dem is er durch die Städte gezogen und hat es sich gut gehen lassen und den Kasperin hat er geliebt sagt er war
00:28:58: da bisexuell oder war das nur platonisch Bisexualität?
00:29:05: Ich denke schon, das war mehr wenn man auch die Tagebücher liest wen er in Oxford dann auf der Flucht getroffen hat.
00:29:12: Das waren alles Männernamen auch.
00:29:15: Er war ein kleiner Mann, er war sehr schlanksmall wirklich gut aussehend und als Junge auch als alter Herr hat er es gut ausgesehen.
00:29:27: Sie haben mich darauf gebracht in der Tat, Charlie Chaplin ähnlich.
00:29:30: Ja im Alter ja
00:29:32: Ich verstehe jede Frau oder auch jeden Mann, wenn sie bio- oder homosexuell sind.
00:29:38: Warum man sich in so einem Tipp verlieben kann?
00:29:41: Er hatte eine Aura um sich aber sehr charismatisch.
00:29:44: Er strahlte so eine ständige Melancholie aus.
00:29:48: Später hat man erfahren dass er sehr depressiv war.
00:29:51: das hat man in Santo Domingo dann vor allem den Briefen von Hilde immer wieder gehört.
00:29:57: Sein Gesicht war beherrscht von diesen vollen Lippen, von den großen schwarzen Augen.
00:30:01: Und er hat sich so einen künstlerischen Anstrich gegeben in dem man eine lange schwarze Locker immer ins Gesicht hat reinhängen lassen.
00:30:08: Also der Mensch war vom ersten Augenblick an etwas völlig anderes als es Heldedumine in ihrem soliden Elternhaus erlebt hatte.
00:30:17: das war schon so ein künstlärischer Impetus.
00:30:20: Als Proheben exotisch südwendig?
00:30:23: Ja!
00:30:24: Kurz, er war in allem das exakte Gegenteil von Hilde Domins Vater der so solide und geduldig war.
00:30:31: Ja ein Paradiesvogel!
00:30:33: Das war wirklich ein Paradiestvogeln mit bunten Schwingen aber diese Schwinge waren... nicht dazu gemacht, jemanden zu tragen.
00:30:41: Also das war kein Lastentier sondern dieses Paradieshafte glaube ich auch wenn man später immer wieder fragte warum ist sie bei ihm geblieben?
00:30:49: Ja ja klar!
00:30:50: Er hat die Welt verzaubert im ersten Exil in Italien.
00:30:53: Das wollte er leben wie Goethe, er wollte eintauchen in dieses ganze antike Gefühl.
00:30:58: Sie tranken Wein und er hat angefangen Antiquitäten zusammen.
00:31:02: dabei haben sie schon gesehen dass Die Befehle rausgegeben hat alle Marienbilder in den kleinen Läden abzuhängen, weil Maria... Sie sind, ihr könnt
00:31:12: das mal einholen.
00:31:12: Sie sind
00:31:13: neunzehntelneinzeintreizig
00:31:14: zusammen nach Italien gegangen.
00:31:17: Neunzehnundezweientreißig waren sie aber in Deutschland noch nicht von der Nazis verfolgt, sondern sie sind nach Italienne gegangen, weil Erwin Walter Palme asologisch interessiert war und wohl eine asologische wissenschaftliche Karriere im Sinn hatte.
00:31:34: auch er hat geschrieben, aber sehr unglücklich.
00:31:38: Er war unglücklich weil seine Mutter Hochschwanger in Bordigera gewesen ist und dann zurück zur Geburt doch nach Hessen gekommen ist denn sonst wäre Italiener geworden.
00:31:51: und das war ja das was er überhaupt anstrebte.
00:31:54: und er dachte Rom machen wir weil ich dann über Rom ein besonderes Werk verfassen werde.
00:32:00: Ich werde etwas rausbekommen was einzigartig ist Und dann werde ich Ehrenbürger von Rom und bin endlich Italiener und kann eintauchen in die Antike.
00:32:09: Aber zunächst wollen Sie studieren in Rom?
00:32:11: Da muss man sagen, dass Hilde Domén gesagt hat also wenn wir ein Außernstudio machen, dann muss sich vorher einen Abschluss haben einer von uns muss fertig sein das ist ganz wichtig.
00:32:21: und sie hat dann ihren Diplomfolkswett gemacht.
00:32:24: diese Rolle hat man später nach ihrem Tod ganz oben im Schrank.
00:32:28: da wird man noch viel finden da hat man große Schriftrolle gefunden.
00:32:33: Hilde Domin als Diplomfolkswett.
00:32:35: Hat kein Mensch gewusst, hat Hilde domin nie in den Ring geworfen dass sie ja doch eine Diplompfolkswertin ist.
00:32:42: also das zählte gar nicht ne?
00:32:44: Sie war mit der Literatur und mit Erwin verbandelt.
00:32:49: alles andere war bodenständig.
00:32:52: Wo haben sie in Italien erlebt in Rom?
00:32:54: Wurden anfangen das war die Bedingung der Eltern die das ganze Geld von Hilde Dominen die das Geld auch gegeben hatten ihre Nationalökonomie weiter forttreibt.
00:33:05: und dann an diesem berühmten Institut Alfieri, ein Privatinstitut in Florenz da ihren Doktormacht.
00:33:12: Deshalb sind sie nach Florenz...
00:33:15: ...wäre vernünftig und logisch gewesen?
00:33:16: Wäre vernüftig und logische gewesen.
00:33:18: aber beides war er wie nicht.
00:33:21: und drum hat er gesagt ich versauer hier her kann ich gar nichts machen.
00:33:24: Ich muss wieder zurück nach Rom ist mit ihm nach Rom gezogen, weil es auch klar war.
00:33:31: Ohne sie wird er hilflos sein.
00:33:34: Er war im Alltag untauglich.
00:33:36: Hilde hat die Wohnung besorgt, Hilde hatte Deutschunterricht gegeben ...
00:33:40: Das Geld mit besorgt?
00:33:41: Hat das
00:33:42: Geld mitgebracht?
00:33:43: Ja!
00:33:44: Sie hat den Lebensunterhalt versorgt und das hat sie immer durchgehalten eigentlich.
00:33:49: Und das hat Erwin Walter-Palm auch anerkannt.
00:33:52: schon in frühen Jahren war ihm klar.
00:33:54: Die kann alles viel schneller, viel besser als ich vor allem was den praktischen Alltag anbelangt.
00:34:00: Das ist sehr gut wenn man so faul ist das selbst zu lernen und selbst zu tun seine Frauen oder seine Frau dafür zu loben dass sie da sehr viel besser kann.
00:34:10: ja
00:34:10: also subjektiv weil es bequem ist kann ich es von seiner Perspektive aus Verstehen, dass er so ein Arschloch war.
00:34:20: Aber ich lasse dieses Wort auch stehen also gerade heute.
00:34:23: Vielleicht ist es ein bisschen Wohlfall aus der Perspektiv von twenty-sixundzwanzig ihn als Arschluch als Macho.
00:34:32: Ein
00:34:32: verwöhnter Macho!
00:34:34: Ja aber viel mehr denn das kann ja jetzt durchaus die Stelle sein in der wir darüber reden.
00:34:40: Er hat sie massiv verprügelt.
00:34:45: Er hat sie auch geschlagen?
00:34:48: Wir wissen es nicht, wie häufig und wie stark das war.
00:34:51: Aber Sie haben das irgendwie gefunden in den Texten oder Notizen oder Briefen von der Hildedomin, dass sie Angst hatte vergrüppelt zu werden um ihre körperliche Unversehrtheit, weil sie so von Erwin Walter Palm verprügelt wurden.
00:35:11: Sie hat in Santo Domingo eine Abtreibung gehabt und eine Fehlgeburt.
00:35:15: Also wozu sie bei der Palme gezwungen hat?
00:35:18: Ja,
00:35:18: ja quasi für beides war er verantwortlich und die sagte dann ich habe das Kind nicht behalten weil Erwin so wütend war und ich bin dann am ganzen Körper blau und grün und braun nach Haithi geflohen weit weg und hab ihm alle Arztunterlagen auf den Tisch gelegt.
00:35:37: also da kann man nichts sehr viel anderes Folgern aus dieser Zeit.
00:35:42: Es ist aber nur einmal gewesen, aber Sie haben ja entsprechende Stellen und entsprechende Klagen.
00:35:47: Sie
00:35:47: hat
00:35:47: immer wieder
00:35:48: Angst, dass er eben wenn er so cholerisch und je zornig geworden ist dann hat er sich nicht mehr in seiner Gewalt gehabt ne?
00:35:55: Sie hat ihn auch da immer wieder geschützt.
00:35:58: Bis zu Ihrem Lebensende hat sie der Öffentlichkeit eine heile harmonische Beziehung vor.
00:36:07: Das
00:36:07: war ja dann auch der Aufschreier als meine Biografie erschien.
00:36:10: Der Ulla Hahn hat die erste Rezension abgegeben, mein Verleger war ganz seelig.
00:36:15: Ey Ulla Hann wird in der Zeit darüber schreiben!
00:36:18: Und die hat einen Verriss geliefert.
00:36:20: Will uns Marion Tauschwitz wahrmachen, dass Hilde Domien hörig war, diesem Erwin Walter Palmen?
00:36:27: Ich habe den doch erlebt.
00:36:28: das war ein Ehepaar in großer Harmonie Die Hand in Hand, sechsundfünfzig Jahre lang durchs Leben schritten.
00:36:34: Also darüber haben wir jetzt noch gar nicht geregelt.
00:36:36: er hat sie nicht nur zur Abtreibung gezwungen, er hat sich nicht nur geprügelt Sondern er hat ihr jahrzehntelang Schreibverbot, also Dicht verboten.
00:36:49: Gedichte schreiben ist Männer-Sache?
00:36:53: Ja, ja, ja.
00:36:53: Das sind die Kriterienendienste, die waren in Ordnung.
00:36:58: Aber sie durfte nicht für sich schreiben!
00:37:01: Wie kann man denn so begloppt sein?
00:37:04: Entschuldigung ich verstehe es nicht... Er hatte selbst literarische Ehrgeiz.
00:37:10: Er wollte Autor sein, er wollte schreiben... Nicht
00:37:13: Auto!
00:37:13: Er wollte Dichter sein?
00:37:15: Ja.
00:37:15: Er
00:37:16: hat auch eine Dichtezeitung zusammen mit dem Kaspari rausgebracht und er war der Dichte und es war ganz klar Frauen können nicht treiben.
00:37:24: Frauen dürfen nicht treibend.
00:37:25: Und drum hat er sie ja in Santo Domingo den Dichteatem abwürgen wollen und hat dann gesagt wenn du schreiben willst Dann gehen die Menstruationshütte in die Berge, denn das was du tust ist unreihen.
00:37:38: Mein Fakt ist, dass Erwin blieb in der Hauptstadt Santo Domingo und Hilde Domin lebte in den Bergen.
00:37:43: Die haben sich also im Alltag nicht oft gesehen.
00:37:46: Und er hat sich rumgetrieben?
00:37:48: Und weiß er dort mit wem gefügelt wird?
00:37:53: Das kann ich so hart nicht sagen!
00:37:55: Ich weiß auch nicht wessen Freundschaften er gesucht hatte denn er war ja ein großer Lorca-Verehrer und der Lorca war vom Typ her auch homosexuell.
00:38:05: Und er war vom Typ her, vom Äußeren her ein bisschen so wie Erwin.
00:38:09: also in dieser Art von Menschen hat er sich sehr verliebt und wenn er später nach dem Krieg von Santo Domingo aus den lateinamerikanischen Kontinent bereist dann war er oft in Künstlerkreise eingeladen.
00:38:23: Da hat der Silvester immer auf homosexuellen Gehöften verbracht.
00:38:28: Offensichtlich war diese Beziehung ein doppeltes Missverständnis, sowohl von seiner Seite aus als auch von ihrer Seite aus.
00:38:35: Ich habe jetzt keine so große Lust nicht weiter um ihn zu kümmern sondern mich um die Hildlumin zu kümmern und zu fragen ja warum um Himmels Willen macht ihr Leben lang diesen ganzen Scheiß Trick mit?
00:38:51: wo sie doch schon als Kind und als Eranwachsende, und als junger Frau so toll erzogen worden ist.
00:39:02: Und schon den Durchblick und das richtige Leben eigentlich schon hatte.
00:39:06: Warum führt sie, wenn sie das richtige Leben entdeckt und genossen hat?
00:39:10: Dann sind sie seit Jahren ein falsches Leben.
00:39:14: Für Sie war es kein falsches Lieben!
00:39:16: Denn sie hat im Jahr neunzehntenunddreißig einen langen Brief geschrieben, wenn immer du Hilfe benötigst oder eine Frau brauchst, dass ich für dich da sein werde um dir beizustehen und dir zu helfen.
00:39:30: Und daraus leitete sie später dann ihre Mindestutopie ab – sie sagte nicht verlassen verlassen und nicht im Stich gelassen zu werden, das ist die Mindestutopie ohne die sich nicht lohnt Mensch zu sein.
00:39:47: Sie verhält sich als ob der Erdbeen Walter Palme der einzige Mann auf der Welt gewesen wäre.
00:39:51: sie ist doch um Himmels willen intelligent genug dass es sich ausrechnen kann.
00:39:56: naja es gibt auch noch andere Männer und es gab ja auch in ihrem Leben andere Männer die er gefallen haben.
00:40:02: Sie hätte sich ja auch was Palmen angeht, entgültig entlieben können und einen anderen Mann für ihre Liebe suchen können.
00:40:11: Und der hätte vielleicht nicht dazu geführt dass sie Dichterin wird denn sie brauchte diesen.
00:40:18: Marie-Louise Rinser hat mal gesagt sie brauchen den Tränenfluss.
00:40:22: das ist klar ne?
00:40:23: Sie brauchte das Unglück um damit es alles aus ihr raussprudeln kann.
00:40:28: Das ist ein romantisches Motiv dass wir meinen Glauben zu müssen, um literarisch produktiv sein können.
00:40:38: Das hat im Falle von der Bachmann zum Beispiel gestimmt.
00:40:41: Es hat im falle von den Domänen gestimmt und in vielen anderen.
00:40:44: Aber
00:40:45: wir haben beide sie und ich auch meine Arbeit genug Autoren, Autorinnen getroffen wo wir gelernt haben das es auch ohne
00:40:52: geht.".
00:40:53: Das war ja auch die Frage warum hatte die Domäne so viel Erfolg gleich gehabt mit ihren Gedichten?
00:40:58: Das sind ja nun keine besonders besonderen Metaphern oder hat nicht die Spitzen, die der Zählern hat.
00:41:04: Aber genau das hat man geschätzt!
00:41:06: Das war ja die erste Rezension von Walter Jens, der geschrieben hatte.
00:41:11: Die Dichterin hat lange gewartet bis sie zu uns sprach und wir sehen Sie hat keine Krausenmetaphern gebraucht sondern sie spricht Wie wir, sie benutzt eine einfache Sprache.
00:41:22: und Domin sagt auch ich will zu den Menschen reden.
00:41:25: Und deshalb will ich nicht über Kanditels sprechen und will nicht so wie C-Lan, Ingenieurskonstruktionen mit meinen Sätzen bilden sondern man soll mich verstehen aber eben entindividualisiert.
00:41:38: jede Ebene sollte sie verstehen und man spürte das ist eine Frau die ist durch alles durchgegangen.
00:41:47: Denken Sie an das Gedicht bitte.
00:41:49: Wir werden eingetaucht und mit dem Wasser der Sinnflut gewaschen.
00:41:52: Wir werden durch Nest bis auf die Herzhaut.
00:41:55: Ganz am Schluss steht dann, es taugt die Bitte, dass wir aus der Löwengrube, aus der Flut oder aus der Höhle immer wieder versehrter und heiler zu uns selbst entlassen werden.
00:42:08: Gibt
00:42:09: es einen Grund, wenn wir jetzt über die Rezeption der Gedichte reden?
00:42:13: Auch über die Früh, auch über die Späte?
00:42:15: noch eine Art Missverständnis.
00:42:19: Denn alle Leserinnen, alle Lesern beziehen die Gründe für ihr Unglück auf Verfolgung, auf Exil und auf politische Hintergründe während es bei Hildedomin mindestens immer ein doppeltes ist wenn nicht zur übergroßen Mehrheit.
00:42:39: das Ungluck mit Palmen.
00:42:42: Das war der Auslöser, praktisch das Gedicht als Augenblick von Freiheit.
00:42:46: Sie hat sich mit diesen Worten dann in dieser trosslosen Situation befreit – ja!
00:42:52: Aber die Bilder des Exils haben sie geprägt, die haben sich eingebrannt bis auf die Herzhaut und diese Bilder sind immer wieder eingetaucht noch in ganz späten Jahren.
00:43:03: Es gibt dieses Gedicht ein blauer Tag.
00:43:06: Nichts Böses kann dir kommen an einen blauen Tag.
00:43:09: Diese Bilder des Exils haben sich in Hildedomin's Herzhaut gebrannt und tauchten auf zu Zeiten, wo man es gar nicht vermutet hat.
00:43:18: Ein blauer Tag.
00:43:20: Nichts Böses kann dir kommen an einen blauen Tag.
00:43:24: Ein Blauer Tag Die Kriegserklärung.
00:43:28: die Blumen öffneten ihr.
00:43:29: Nein!
00:43:30: Die Vögel sangen.
00:43:31: nein ein König weinte.
00:43:34: Niemand konnte es glauben.
00:43:36: Ein blauer Tag Und doch war Krieg.
00:43:40: Gestorben wird auch am Blauntagen, bei jedem Wetter.
00:43:43: Auch am Blauentagen wirst du verlassen und verlässt du.
00:43:47: Begnadigst nicht und wirst nicht begnadigt!
00:43:51: Auch am blauen Tagen wird nichts zurückgenommen.
00:43:54: Niemand kann es glauben.
00:43:56: Auch an blauen Tagen bricht das
00:43:58: Herz.".
00:44:00: Von wem sprich sie da?
00:44:01: Von der Hildedominie verlassen wird oder von einem Krieg in der Welt?
00:44:09: Ist das ein Reflex auf die tatsächlichen Verfolgungen, auf die Fluchten und die Zustände im Exil?
00:44:18: Im März, deiner zweiten großen Liebe, dem Verlagsleiter des Fischerverlags Rudolf Hirsch verlassen.
00:44:27: Der wollte eine Leson mit ihr...
00:44:30: Die hatten aber keine Beziehung!
00:44:32: Auch
00:44:32: da weiß man nicht so, es gibt Briefe.
00:44:35: Es gibt die Gedichte.
00:44:37: Sie spricht sogar vom Kind.
00:44:40: Jetzt habe ich es verloren und ich wurde auch von Marbach gefragt ja was ist jetzt?
00:44:44: Glauben sie hat etwas mit dem gehabt oder nicht?
00:44:47: Er hat ihn sehr geliebt.
00:44:48: und lesen sie Domines Roman das zweite Paradies durch.
00:44:52: Da arbeitet sie diese ganze Geschichte auf.
00:44:55: Und da kommt Rudolf Hirsch auch vor und da kommt auch Palmen vor, und sie vergleicht diese beiden immer – und die sind sich so ähnlich in der Art und Weise wie sie Domine emotional ausbeuten.
00:45:07: Also er hat sie da verlassen im März, neunfünfzig ... Aber was ist das dann mit dem König?
00:45:13: Ein König weinte.
00:45:14: Ein blauer Tag, die Vögel sangen, nein der Krieg wurde erklärt.
00:45:18: und da gibt es dann die Tagebucheinträge von Stefan Zweig, der zur selben Zeit am selben Ort war wie hier der Dormin im Exil.
00:45:25: neunzeitneununddreißig im September in London.
00:45:29: und dann sind sie an den Bristol Canal weiter und da hat King George VI also König Gehörk der Sechste, der in dem Film The Kings Beach diese große Rede hält den Deutschen den Krieg erklärt.
00:45:43: An diesem schönen blauen Tag schreibt Stefan Zweig, man kann es nicht glauben die Luft ist lau der Himmelblau, die Vögel zwitschern und ein König erklärt den Krieг.
00:45:53: Da kriege ich jetzt noch Gänsehaut wenn ich an so eine Duplicität der Ereignisse denke.
00:45:57: Und nachher im Interview hat der König den Journalisten gesagt dass er so sehr bedauere den Kriegen on such a beautiful blue day erklären zu müssen.
00:46:10: Und da haben wir also fünfzig Jahre, die hier in diesem Gedicht sich zum Reigen zusammenschließen.
00:46:17: Sommer neunzehnhundertneunundachtzig war der erste Todestag von Erwin Walter Palme auch am blauen Tagenwett gestorben und dann geht sie zurück.
00:46:29: wie war das?
00:46:30: Als ich meine Gedichte zusammengefasst habe, auch am blauen Tagen wärst du verlassen.
00:46:34: März, neunzehundertneunfünfzig war sehr schönes Wetter als sie da in die Schweiz gefahren ist und in dieser wunderbaren Natur war und alles hat Revue passieren lassen.
00:46:43: Und sich schrieb dann Die Dichterin könnte einem fast Leid tun wenn man diese Gedichte liest, ne?
00:46:49: Baron Tauschwitz vielen Dank für diese stupende und absolut überzeugende Interpretation dieses Gedichts.
00:46:56: Ich denke wir machen hier mal keinen Punkt, sondern nur ein Gedankenstrich und beenden mit diesem Gedankenstriche den ersten Teil unseres Podcasts.
00:47:06: Die erste Folge überhielt die Domäne und starten dann mit der zweiten Folge in dem wir mit ihr und mit Erwin Walter Palm ins Exil gehen.
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