Extra: Dem Dichter: Ein Grab in den Lüften; Seinem Lied: ein Grab in der Erde
Shownotes
Als Jizchak Katzenelson am 21. Juli 1886 geboren wurde, gehörte die Kleinstadt Karelicz im Gouvernement Minsk zum russischen Kaiserreich, heute zu Belarus. Schon sein Vater war ein hebräischer Schriftsteller, der mit der Familie ein Jahr später ins polnische Lodz zog. Er selbst begann schon mit 13 Jahren Lieder zu schreiben. Er hat Theaterstücke und Gedichte verfasst, übrigens auch das „Buch der Lieder“ von Heinrich Heine ins Hebräische übersetzt. In Warschau gründete er das hebräische Theater und organsierte die jiddische Kulturarbeit.
Als die deutsche Wehrmacht 1939 Polen überfiel zog Katzenelson mit seiner Familie nach Warschau, wo sie im Ghetto strandeten. Seine Frau und zwei seiner Söhne wurden nach Treblinka deportiert und dort ermordet. Er selbst war aktiv am Aufstand des Warschauer Ghettos beteiligt und konnte Dank gefälschter Papiere zunächst aus dem Ghetto entkommen, wurde bald darauf aber von der Wehrmacht in ein Sonder-KZ nach Vittel am Rande der Vogesen deportiert.
In Vittel schrieb er auch sein wichtigstes Werk: „Dos Lied vunem ojsgehargetn jidischn Volk“ Dieser „Grosse Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk“ umfasst 15 Gesänge in 225 langzeiligen Strophen. Es ist die die bekannteste Dichtung der Shoah. Die auf wundersame Weise gerettet und überliefert wurde. Jizchak Katzenelson hatte das Manuskript in Flaschen verpackt und unter einem Baum vergraben.
Jizchak Katzenelson wurde im Mai 1944 in Auschwitz vergast. Das Manuskript wurde nach der Befreiung des Lagers gefunden, bereits im Jahr darauf im jiddischen Original veröffentlicht und seitdem in viele Sprachen übersetzt.
1994 erschien im Verlag Hoffmann und Campe Wolf Biermanns Übertragung mit dem Faksimile von Katzenelsons Handschrift sowie ausführliche Beträge zu historischem Kontext und Entstehung und Übersetzung.
Transkript anzeigen
00:00:00: Sie hören Podcast Literatur.de von Tio Schneider und der Volkshochschule Kasseslautern, hier mit einem Extra zum einhundertvierzigsten Geburtstag des jüdischen Dichtes- und Dramatikers Yitzhak Kacenelsohn – dem Dichter einen Grab in den Lüften, seinem Lied «Ein Grab in der Erde».
00:00:27: Als Yitzak Kacsenelsohne am einundzwanzigsten Juli Die Kleinstadt Karillicim Góvernor Minsk zum Russischen Kaiserreich.
00:00:41: Heute gehört sie zu Belarus.
00:00:44: Schon sein Vater war ein hebräischer Schriftsteller, der mit der Familie im Jahr darauf ins polnische Lodz zog.
00:00:53: Er selbst begann schon, mit dreizehn Jahren Lieder zu schreiben.
00:01:00: Übrigens auch das Buch der Lieder von Heiner in Zebräse übersetzt.
00:01:06: Er war aktiv am Aufstand des Waschauer Gettos beteiligt und wurde in ein Sonderkazett nach Vitell, am Rande der Wuckehissen deportiert.
00:01:16: In Vitehl schrieb er auch sein wichtigstes Berg – Das Lied von einem ausgehorgten jüdischen Volk.
00:01:24: Jitzag Katzenelsohn wurde im Mai in Auschwitz vergaßt.
00:01:31: Sein großer Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk wurde auf wundersame Weise gerettet und zum bekanntesten Werk der Schoah.
00:01:59: Überlieferung
00:02:00: und
00:02:00: Übertragung.
00:02:03: Jetsach Katzenelsohn wurde in Waisrussland bei Minsk als Sohn eines Schriftstellers geboren, so war es nicht mal der Verwunderlichte, dass er schon mit dreizehn erste Liederschrieb – und mit Mitte zwanzig die Hadesstücke in Hebräse und Yiddish veröffentlichte, die bald in ganz Osteuropa gespielt wurden.
00:02:24: In Lodz gründete eine Hebräsebühne unter einer Hebræseschule die er als Lehrer leitete.
00:02:31: Als die Deutsche wehrmacht, in Polen einmarschierte und die jüdische Führungsschicht in Lodz ermordete, flohr mit seiner Frau und den drei Söhnen nach Warschau wo sie aber bald in das Elend des Gettos gerede.
00:02:45: In der Jübde wurde seine Frau mit zwei Söhne in Treblinka
00:02:50: ermordet.
00:02:51: Er selbst und sein Sohn Svi nahmen in den Kämpfen im Warschauer Ghetto Teil, aus dem sie mit honduranischen Pessen zu Fliehen versuchten.
00:03:01: Sie wurden gefasst und ihn ein Sonderlager in Ostfrankreich deportiert.
00:03:07: Hier in Vitell hatten die Nazis Juden mit amerikanischem Pessen sowie britische und amerikanische Staatsbürger inhaftiert um sich gegen Deutsche auszutauschen.
00:03:17: Und hier begann Jitza Katzenelsohn im Oktober nineteenhundertdreiundvierzig seinen großen Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk.
00:03:27: Greif die Zahakte, deine nackte Harfe!
00:03:33: Singe doch!
00:03:36: Schmeiß ins Gewirr der Seiten Deine Finger für ein
00:03:40: Lied singen!
00:03:43: Schmerz gebrochene Herzen singt diesem Europa noch den großen Abgesang von seinem allerletzten Jied.
00:04:00: Wie kann ich singen?
00:04:02: Ost vertretener Kehle kommt kein Laut, Gräuil über Gräuel.
00:04:10: nur Ich blieb übrig, ich allein.
00:04:13: Wo blieb
00:04:14: mein Weib, wo unsere beiden Vögelchen mir graut?
00:04:19: Ich hör ein weinen.
00:04:22: Meine ganze Welt ist vollgewein!
00:04:26: Sing und erhebt die Stimme.
00:04:30: sing mit Schmerz und Wut.
00:04:33: Such, such
00:04:34: da oben ob es
00:04:35: ihn noch gibt und seine Welt sich dreht.
00:04:38: sing ihm hoch oben seines letzten Jieten.
00:04:44: letztes Lied der Jud gelebt, krepiert und ohne Grab vom Wind verweht.
00:04:54: So beginnt er erste von fünfzehn Gesängen die jeweils aus fünfzehnt Strophen zu je vier Fersen bestehen dem Verlauf des Texts immer länger werden.
00:05:05: sie sind mit einfachen Kreuzräumen verbunden Denn Funktion als Stützen für Memorierbarkeit wichtiger ist, als formale Finessen.
00:05:14: Die Wucht der Ferse erwächst vielmehr aus dem Wechsel von heiliger Hochsprache und im Chagon der Straße – vor allem aber aus ihrer dramatischen Rhetorik, die wiederum aus dem Drama der Vernichtung des jüdischen Volkes erwächst, die gerade stattfindet.
00:05:31: Der Anfang des Gesangs ist ein heftiger Dialog zwischen einer nicht näher definierten Stimme die den Dichter nachdrücklich auffordert, von dem Grauen zu berichten das er selbst erlebt hat und von dem er aus Berichten weiß.
00:05:46: Die Kämpfe des Waschauer Gettos waren informiert, wohin die Transporte gingen und was in den Vernichtungslagern geschah.
00:05:53: Und genau davon erzählt es große Poem der Sirzak Katzenhelzon.
00:05:58: Von der Schoa vom Elend- und Entkämpfen im Waschower Getto von den Transporten in die Lager von der Ermordung der Juden und seiner eigenen Familie, aber auch von seiner unversöhnlichen Wut auf die Soldaten der deutschen Wehrmacht.
00:06:14: Auf die polnischen Profiteure und die jüdischen Handlange, die in der Hoffnung auf Überleben den Mördern halfen.
00:06:23: Oh, zeig dich mir mein Volk!
00:06:27: Beweise
00:06:28: dich!".
00:06:28: Die Händstreck aus den Massengräbern Kilometer lang und dicht an Dicht vom Kalk verbrannt.
00:06:37: Ihr Toten kommt herauf, kommt raus!
00:06:40: Die untersten.
00:06:41: zuerst kommt alle wieder Schicht um Schicht.
00:06:44: Kommt alle von Treblinker Auschwitz Belchek Von Ponar Von Subibor Mit aufgerissenem Augen.
00:06:52: Kommt macht los.
00:06:54: Ich will dass euer stummes Schrein Zu einem Schrei erstarr.
00:07:01: Im Schlamm, im Sumpf versunken und in faulen Muss kommt Ihr Verdorben aufgerieben und zermalt.
00:07:10: lauft los Macht einen Kreis um mich
00:07:14: rück weiter
00:07:14: Rück komm Opa, Oma Mama mit dem Kindchen auf dem Schoß.
00:07:19: Nun seid ihr Dünger, Knochenmehl und Seifenstück.
00:07:23: Im Januar nineteenhundertvierundvierzig beendet Yitzhak Katzenelzon sein Poem im Sonderlager von Bittell.
00:07:30: Drei Monate später werden er in Sein Sohn mit einer Gruppe weiterer Juden nach Auschwitz verschleppt und ermordet.
00:07:38: Sein Text, den jüdischer Sprache, die in hebräischen Buchstaben geschrieben ist, überlebt.
00:07:43: Von sechs Handschriften sind zwei erhalten – eine Kopie, die im Griff eines Covers versteckt von einer Freundin aus dem Lager geschmuggelt wurde, und die Urfassung, die er im Kurpark von Vitell unter den Wurzeln einer Fichte vergraben hatte – und die eine andere Freundin nach der Befreiung des Lagers wieder ausgrubt und nach Paris brachte.
00:08:06: Wo das Poem bereits nineteenhundertfünfundvierzig als Druck erschien.
00:08:29: Ich muss euch
00:08:30: alle
00:08:31: nochmal anschauen.
00:08:34: Gerade dumm kommt alle, denn ich
00:08:38: muss euch
00:08:41: muss ja... Und ich will mein Volk sehen.
00:08:48: Ausgerottet, letzter Blick versteinert,
00:08:52: stumm!
00:08:53: Ich singe, gib die HWR, ich
00:08:56: spiel!".
Neuer Kommentar