Extra: Haute Cuisine am Tiefpunkt in luftiger Höhe

Shownotes

Wenn er schweigt sieht er aus wie ein gemütlicher Brummbär. Macht er den Mund auf sprudelt er wie ein Wildbach aus Quecksilber.
Der Dichter Richard Pietraß wird am 11. Juni achtzig Jahre alt.

Geboren wurde er 1946 in Lichtenstein/Sachsen. Nach dem Abitur machte er eine Facharbeiterlehre als Metallhüttenwerker, war Hilfspfleger und leistete seinen Wehrdienst in der DDR. 1968 bis 1975 studierte er Klinische Psychologie an der Humboldt Universität in Berlin.
Danach war er Lyriklektor im Verlag Neues Leben, Redakteur der Zeitschrift „Temperamente“ und Herausgeber der Lyrikreihe „Poesiealbum“ bis man ihn zwangsweise entließ.

Seit 1976 ist Richard Pietraß freier Schriftsteller. Fast 40 Titel umfasst die Liste seiner Publikationen. Die meisten davon sind Gedichte.

Er wurde u. a. mit dem Erwin-Strittmatter-Preis und dem Literaturpreis der Deutschen Wirtschaft ausgezeichnet.
Und er fuhr oft zu seiner Liebsten in Paris, mit der er auf den Eiffelturm essen gehen wollte.
Davon erzählt das folgende Gedicht.

Transkript anzeigen

00:00:00: Sie hören Podcast Literatur.de von Theo Schneider und der Volkshochschule Kasseslautern, am Mikrofon ist Theo Schneidert hier mit einem Extra-Od Cuisine am Tiefpunkt in luftiger Höhe.

00:00:16: Richard Pietras zum achtzigsten Geburtstag.

00:00:21: Wenn er schweigt sieht er aus wie ein gemütlicher Prumbeer machte den Mund auf Sprudel der Viren Wildbach aus Quecksilber.

00:00:31: Der Dichter Richard Pietras wird am elften Juni, zwanzigundzwanzig, achtzig Jahre alt.

00:00:39: Geboren wurde er in nineteenhundertsechsenvierzig in Lichtenstein in Sachsen.

00:00:45: Nach dem Abitur machte er eine Facharbeiterlehre als Metall-Hüttenberger war Hilfspfleger

00:00:52: und

00:00:53: leistete seinen Wehrdienst in der DDR.

00:00:55: from the University of Berlin.

00:01:03: From the University in Berlin to the University Freier Schriftsteller.

00:01:27: Fast vierzig Titel umfasst die Liste seiner Publikationen, die meisten davon sind Gedichte.

00:01:36: Er wurde unter anderem mit dem Erwentsstrückmeiterpreis und dem Literaturpreis der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet

00:01:44: Und

00:01:44: er fuhr oft zu seinen Liebsten nach Paris.

00:01:48: Mit ihr wollte er unbedingt auf den Eifelturm essen gehen.

00:01:54: Davon erzählt es folgende Gedicht.

00:01:59: Richard Pietras ist ein Barockerdichter, auch geistig – doch dazu später!

00:02:05: Vor allem aber ist er ein Barrockerdicht von Wesen und Erscheinung.

00:02:10: Silber lockt nun einen grauen.

00:02:11: kurzer Vollbad gut hundert Kilo verteilt auf onehundetachtzig Zentimeter, ein großer gemütlicher freundlicher Dichterbär der allerdings auch flink und bis sich sein kann So Lust wandelte durch die Welt auf der Suche nach dem Honig, der Poesie und den Genüssen des leiblichen Lebens.

00:02:32: Das Zu-Wissen erleichte das Verständnis des folgenden Gedichts, denn es entstand aus dem Versuch genau diese beiden Genüsse poetisches und kulinarisches zu verbinden.

00:02:53: polieren die Gläser und haben, derweil wir am Nasen Bein polken, Bordeaux und Burgund aus den Wolken gemurken.

00:03:03: Schwalben schweben mit begrümmelten Tellern

00:03:06: und stunden

00:03:07: uns den letzten Heller, denen wir schon am Grund gegeben, uns in Lucifers Küche zu

00:03:13: heben.".

00:03:13: Lust wandeln lautete Titel des Lörigbands von Richard Pietros, aus dem dieses Gedicht stammt.

00:03:20: Eine der drei Zyklen, aus dem das Buch besteht ist in Paris entstanden wo der Autor seit längerem in allen Bedeutungen des Wortes

00:03:29: Lust

00:03:29: wandelt weil dort seine Liebste wohnt.

00:03:33: die es seit über dreißig Jahre in Paris lebt und dort Dolmetscherin ist.

00:03:37: Seitdem bin ich ein Mensch im Spagat, der immer wieder nach Paris kommt aus sich nach Berlin.

00:03:41: Und man wurde mir bewusst, dass das ein Geschenk ist, dass ich immer wieder dann nach Paris kommen kann ohne touristische Eile weil ich immer auch wieder willkommen bin.

00:03:48: Irgendwann wollte ich dieses Geschenks wirklicher weisen, dass es eine Spur lässt.

00:03:53: So weit so gut.

00:03:55: aber kein Pariser oder sonst kein vernünftiger Mensch höchstens chinesischer oder amerikanischen Touristen

00:04:02: Kämmer

00:04:02: auf die Idee, das allerhesslichste Ding zu besichtigen, dass die Stadt in der Seen zu bieten hat.

00:04:08: Geschweige denn dort zu essen?

00:04:11: Aber dem auf Doppelten nämlich auf kulinarischen und poetischen Honig spekulierenden Richard Piedras gelang er sogar seine heftig protestierende Freundin dorthinzuschleppen!

00:04:22: Ich habe sie gebet mich den zu begleiten weil ich hatte die fixe Idee.

00:04:26: An der Oat gesehen ist es sonst die gehobene Kochkunst.

00:04:29: Ich wollte aber eine hochgelegte Küche und die höchste Küche in Paris ist der Eifelturm, in der Hoffnung dass die Speiser gerade mir ein paar Zipfel schenkt.

00:04:36: oder die Essenserfahrung.

00:04:37: Aber jetzt geschah folgendes wir durften nicht Platz nehmen da war ich sowas von wütend und enttäuscht mein liebster auch.

00:04:43: Und dann habe ich gleich gesagt aber wir fahren doch nochmal hin.

00:04:47: Das hat sich strikt abgelehnt.

00:04:48: Du bist ja ein Tichter das kannst du daran ohne das machen.

00:04:51: Da war ich ganz enttöscht dass sie mir so in den Rücken fühlen mich im Stich ließ Du bist ein Dichter und nachdem es lange genug genagt hat, an dem Tag habe ich das Gedicht aus der Version frei und fröhlich geschrieben.

00:05:03: Kluge Frau diese Liebste!

00:05:05: Wir sind ganz auf ihrer Seite und schämen uns auch nicht unserer Hähme dass das Unternehmen als Luftnummer endete Jedenfalls kulinarisch.

00:05:14: Poetisch ist ja dann doch noch ein höchst leckeres Sahneschnittchen herausgekommen, das zudem aufs Allerschönste die Sprachverliebtheit und Sprachverspieltheit – Die Wortschöpfungsovolust und das Lustwandeln durch die Zeilen mehr andern der Reime – kurzum die ganze Barocke Fülle- und ornamentalen Kringel der Formulierungskünste von Richard Piedras zu Kosten

00:05:38: gibt.".

00:05:39: Ich habe mit Freude dem Affenzucker gegeben.

00:05:59: Das ist schon hohe poetische Luftkutscherei.

00:06:02: wie da beim Liftschiff, durch den Austausch eines einzigen Buchstabens ein neues Wort und eine neue Metapher entsteht.

00:06:11: Wie da noch rotzfrächer als französische Kellner Bläser auf Gläser gereimt werden und die Alliterationen- und Binnenreime so munter und unerwartet durch die Zeilen hüpfen wie Lachse über die Stromschnellen eines Gebirgsbachs!

00:06:33: und haben dabei wie am Nasen Bein Polken, Bordeaux und Progund aus den Wolken

00:06:39: gemolken.

00:06:40: Doch das Gedicht von Richard Pietras ist nicht nur ein Beispiel für die Kunstkapriolen seiner Lyrik – die Unverschämtheit französischer Kellner und die absolute Sinnlosigkeit des Eifelturms sondern vor allem auch dafür, wie Warepoesie aus Frust und Fiktion entsteht.

00:06:58: Ich vermute, dass wäre mir das Erlebnis nicht verwehrt worden.

00:07:01: Es wäre nicht so schön geworden wie dieses.

00:07:03: Weil die Vision ist freier als die Verarbeitung des Erlebnisses.

00:07:06: Die Verarbeitungserlebnis ist wie eine Wurst Man hat den Damen stoppt alles rein was man hat Und ich hatte nichts und habe aus den Tatzen gesogen Aber hat eine schöne Vision und die hat es genauso erbracht.

00:07:16: So ist es!

00:07:17: Und?

00:07:17: Was sagte die Liebste dazu?

00:07:19: Die liebt das weil sie ja recht behalten hat.

00:07:21: Du bist doch ein Dichter.

00:07:25: Fangen wir zum Schluss nochmal hoch auf den Pint von Paris aber nur rein theoretisch poethisch.

00:07:50: den wir schon am Grund gegeben und in Lucifers

00:08:02: Küche zu heben.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.