Kostprobe: Misshelligkeiten in Mainz – Trennungen in den Tropen

Shownotes

März 2020, zu Beginn von Corona: Eine abgeschiedene Lodge in dem kolumbianischen Dschungeldorf Soledad.

Die Hamburger Fotografin Alena will nach einer schmerzhaften Trennung nur ein paar Tage bleiben. Doch mehr und mehr verfällt sie dem mystischen Charme des Ortes und den Erzählungen Rainers, dem deutschen Betreiber der Lodge. Ein seltsamer und charismatischer Mann mit dem Alena auf den ersten Blick nur wenig gemeinsam hat.

Seine Lebensgeschichte, die zu großen Teilen in Mainz und Umgebung spielt, ist zugleich auch die Geschichte der alten Bundesrepublik. In seiner Kindheit immer für zu weich gehalten, rebelliert er in den sechziger Jahren gegen das spießige Nachkriegsdeutschland, arbeitet als Vertreter für Jeanswaren und landet nach einer Odyssee durch Lateinamerika in Kolumbien, wo er einem hochrangigen Drogendealer ein Stück Land abkauft, um aus dem Nichts seine Lodge zu errichten.
In seinem Roman „Soledad“ erzählt Thorsten Nagelschmidt mit beeindruckendem Einfühlungsvermögen und Witz von sehr ungleichen Menschen, die sich in ihrem Wunsch nach Anerkennung und Zugehörigkeit näher sind, als sie anfangs dachten.

In der Kostprobe von Podcastliteratur.de stellt Theo Schneider den Roman „Soledad“ von Thorsten Nagelschmidt vor und der Autor liest markante Passage daraus.

Transkript anzeigen

00:00:00: Sie hören Podcast Literatur.de von Theo Schneider und der Volkshochschule Kaiserslautern, am Mikrofon ist Theo Schneide hier mit einer Kostprobe aus dem neuen Roman von Thorsten Nagelschmidt.

00:00:17: Er heißt Solidat und erschien zwanzig vierundzwanzig im Verlag S Fischer.

00:00:25: Die Textpassagen aus dem Roman liest Thorsten selbst.

00:00:33: Puh, dachte ich als ich die ersten zwanzig Seiten gelesen hatte.

00:00:38: wenn das so weitergeht wie soll man da die restlichen vierhundertdreißigseiten aushalten?

00:00:45: So aufgeprözzelt oberlotet aufgemotzt mit young lady powers beach diese roman zum start die reifen durch drehen.

00:00:56: Da fetzen sich zwei junge frauen an einem einsamen strand Südamerikas.

00:01:04: Das Buch beginnt mit einem Ende, mit dem Ende der Beziehung von zwei lesben Lieben Sonja und Alena – ziemlich erfolgreiche Fotografinnen aus Deutschland die nach einem Auftrag in Venezuela noch ein paar Tage Urlaub in einer Lodge im äußersten Nordwesten Kolumpiens nahe der panamäsischen Grenze machen dort wo Darien beginnt der unzugänglich wilde Urwald, durch den sich die Flüchtlinger auf ihrem Weg nach Norden schlagen.

00:01:39: Auf der Suche nach einem besseren Leben in den USA.

00:01:43: Bedroht von paramilitärs Narcos, Giftschlangen, Hunger, Durst und Umfällen auf unzugenglichen

00:01:51: Pfaden.".

00:01:53: Nimm den Deckel doch einfach ab", sagte Sonja.

00:01:56: Ich möchte das Salz dosieren, antwortete ich.

00:01:59: Kennste dosieren?

00:02:01: Seufzen beugte Sonja sich vor, nahm ihr den Salz treu aus der Hand.

00:02:04: Sie schraubte den Deckel ab und befreite die Innenseite mit ihrem Messer von den verkrusteten Ablagerungen.

00:02:10: Dann schraube sie den Decke wieder fest, schüttete sich ein paar flockige Krümel in die Hand und verteilte sie mit Spitzenfingern auf meinem Teller.

00:02:17: Sie sah mich an – siehst du?

00:02:19: Geht doch!

00:02:20: Dann rieb sie sich die Salzreste von den Fingerkuppen, stellte das Gefäß ordentlich zurück auf dem Nachbartisch.

00:02:28: Den ganzen Tag überbehandelte sie mich schon so.

00:02:31: Wie die letzte Idiotin, ihr Augenrollen als ich am Kiosk auf dem Boot zwei Empanadas und Wasser bestellen wollte wie sie vor der gesamten Schlange mein Spanisch verbessert und den restlichen Tag nur noch das nötigste mit mir geredet, mich bei der Wanderung über die Isla Grande regelrecht gehosted hatte.

00:02:48: Ihre gelangweilten Humms, diese allesabwürgenden ja voll interessant.

00:02:53: Conversationsboy-Cod-Kommentare.

00:02:56: und dann beim Abstieg eines weiteren beschissenen Hügels ihr genervt nach hinten geworfenes Alles.

00:03:01: okay Alena als wäre ich irgendwie stulle oder Fuß lahm oder so ein lästiges Anhängsel.

00:03:07: eine Zumutung.

00:03:09: Ich spürte etwas in mir wachsen Ein dumpfes Gefühl das sich nur zu gut kannte.

00:03:14: Ich drehte ein paar Nudeln auf die Gabel.

00:03:16: steigerte ich da jetzt nicht rein dachte ich und konnte mich dann aber doch nicht beherrschen.

00:03:20: Was unterscheidet uns eigentlich noch von den anderen Ehepanen hier?

00:03:24: Wir sind nicht verheiratet, antwortete Sonja tonlos.

00:03:27: Ich liest die Gabel auf der Teller sinken.

00:03:29: Ist das alles was dir dazu

00:03:31: einfällt?".

00:03:32: Komu fragte Sonja.

00:03:34: Komu, efte ich sie nach.

00:03:36: Endlich legte sie ihr iPhone auf dem Tisch.

00:03:39: Alena nervt mich nicht!

00:03:40: Was willst du von

00:03:41: mir?!

00:03:42: Ich will wissen, ob wir jetzt eines dieser Paare sind die sich schweigend im Restaurant gegenüber sitzen und in ihrem Essen stochern.

00:03:48: Sieht ganz so aus", sagte Sonja mit einem Blick auf meine Gabel – sie lachte.

00:03:54: Ich nahm einen großen Schluck Weißwein.

00:04:12: Bei den Blumen auf unserem Tisch handelte es sich um Nelken, Beerdigungsblumen.

00:04:17: Im Kopf erklang ein gedämpfter statischer Ton und ich dachte gleich schleudere ich ihr mein Glas in die

00:04:23: Fresse.".

00:04:24: Du bist eine dumme Sau weißt du das?

00:04:26: Tja, sagte Sonja.

00:04:28: Augenauf bei der Partnerwahl.

00:04:32: Hier hat sich Rainer nun etwa Ende sechzig nach erfolgreichen Berufsjahren in Deutschland und nach etlichen Zwischenstationen in Südamerika seinen Lebenstraum von einer neuen Heimat in den Trugen erfüllt.

00:04:48: Die Tartuga Lodzschein resortt in einer wunderschönen, einsamen Bucht nur mit dem Boot erreichbar.

00:04:56: daher der Titel des Romans solidant.

00:05:01: Obwohl So einsam sind wieder die Gegen noch die Figuren.

00:05:06: Abgesehen von Elena, der aus Russland standen jüngeren Fotografien, die sich mit reiner Anfreundung und allein zurückbleibt nachdem ihre Lebens- und Liebespartnerin sie im Streit verlassen hat.

00:05:22: Dieser Ort und diese Zeit bilden die Erzähl- und Handlungsgegenwart des Romans.

00:05:29: Genau genommen sind sie nur eine sehr ausführliche Rahmenhandlung für die Erzählung des Lebens von Reiner.

00:05:37: Allerdings so breit angelegt, dass Elena zu einer zweiten Hauptperson des Romans wird – da ihre Herkunft, ihre Beziehung zu Sonja, die aus reicher Familie stammt und die Elena in den vergangenen Jahren gefördert und unterhalten hat – ausführlich!

00:05:58: beschrieben werden.

00:06:01: Bei der Sache mit der Avocado damals hatten alle am Tisch gelacht, ich hatte mitgelacht.

00:06:05: was blickt mir auch anderes übrig?

00:06:07: Erst später als sich im Bett lag hatte ich verstanden dass es an der Zeit war für eine erneute Heutung.

00:06:13: Es reichte nicht mehr zielstrebig und klug zu sein.

00:06:16: auf diesen Feldern konnte ich in meiner neuen Umgebung nicht reagieren.

00:06:19: Was ich brauchte waren Ecken und Kanten etwas das mich von den anderen abhob.

00:06:24: es war in der zeit meine Schwächen in eine Waffe zu verwandeln.

00:06:28: All meine gut situierten Freundinnen und Bekannten sehnten sich danach real-und authentisch zu sein, doch das meiste was sie an sich selbst als echt erkannten galt als konventionell und spießig.

00:06:39: Nicht so bei mir!

00:06:40: Meine Herkunft, meine sexuelle Orientierung und diese ganzen kleinen Spleens – das war alles wertvolles Kapital.

00:06:47: Kapital, dass viel zu lange ungenutzt herumgelegen hatte... Niemand in dieser Runde hat heute zum ersten Mal eine Avocado gesehen, sagte ich mir.

00:06:55: Niemand außer dir also mach was draus!

00:06:58: Nach und nach baute ich mein gesamtes Shitzodasein zu meinem USP um.

00:07:03: Ich entwickelte ein Gespür für bissige Bemerkungen und originelle Standpunkte lernte komplette Gangsterrap Alben auswendig Und statt aus Susan Sontags Notes on Camp zitierte ich lieber gleich aus der Gala.

00:07:16: Ich schärfte mein Profil und legte mir eine geheimnisvolle Aura zu, die an guten Tagen sogar mich selbst überraschte.

00:07:22: Es macht es Spaß, mir und allen anderen etwas vorzuspielen, Fluide zu sein und nicht zu fassen.

00:07:29: Nur meine Wut habe ich mir nie erlaubt.

00:07:32: Zu tief saß das Gefühl dankbar sein zu

00:07:34: müssen.".

00:07:35: Dankbar dafür, aufs Gymnasium gehen zu können und später zur Uni.

00:07:39: Dankbar für den BAföG-Höchstsatz und das bezahlbare WG-Zimmer.

00:07:43: dann für den Platz in Sonjas Altbaupalast in der Schanze und die finanzielle Unterstützung durch sie und ihre Eltern.

00:07:49: Dank bar für jeden Mappentermin bei jeder noch so unbedeutenden Online-Klitsche.

00:07:54: dankbar für jeden Assi Job und jedes unverbindliche Schulterklopfen von Bildredakteurinnen und Projektmanagern.

00:08:00: doch auch wenn ich nur selten ein Ventil dafür fand.

00:08:03: über die Jahre wurde ich immer wütender.

00:08:06: Wütend auf ein System, das meine Mutter die zu Hause in Kraschen-Uniask eine Patente Ingenieuren gewesen sein mochte im neuen Land aber froh sein konnte eine Teilzeitstelle als Putze zu finden auf die Knie gezwungen und meinen Vater in die Arme der AfD getrieben hatte während für mich nur einer als Bescheidenheit getarnte Unterwürfigkeit geblieben war.

00:08:26: Wütend auf die powerposenden Artdirektoren und Schauspielerinnen und Politiker, wütend auch die selbst besoffenen Agenturschefs.

00:08:34: Auf die schmierigen CEO-Wichser und Consulting Arschlöcher mit ihren Zahnpastawerbungsfressen... ...und auf all die anderen geilen Böcke, die sich einbildeten!

00:08:42: Ich würde mit ihnen flirten, wo ich einfach nur versuchte professionell und freundlich zu

00:08:46: sein.".

00:08:47: Wüdend aber auch auf meiner bis zum Get-Node durchtherapierten Unifreundinnen mit ihren augenzwinkenden Trash-Pop-Partys und den beschissenen Bioavocados, die den lieben langen Tag über Privilegien sprachen.

00:09:00: Nur halt nie über ihre eigenen.

00:09:02: Brach die Wut dann doch mal aus mir hervor, dann plötzlich und unkontrolliert wie ein kotzener Vulkan – was mich jedes Mal genauso erschreckte als die Person gegen die sie sich richtete!

00:09:13: In den letzten Jahren war das meist Sonja gewesen und als sie mir gegenüber zum ersten Mal begriffen wie Impulskontrolle und Engermanagement in den Mund nahm, da empfand ich nichts als kalte Verachtung für Sie und die Welt an Ihrer Seite.

00:09:27: Sonja aber war sich ihrer Macht über mich immer bewusst!

00:09:30: Das war mir nun wo ich dank der Loras so vergleichsweise unemotional und sachlich darüber nachdenken konnte plötzlich klar... Bewundert wurde ich nur, wenn nicht so voll gefügig war als auch edgy und passionate.

00:09:43: So richtig schön on Feierheit!

00:09:46: Ich geb dir ein Hunni, wenn du dem Agentur-Proll da vorne wie zufällig an den Arsch fasst.

00:09:50: hat sie mal auf einer Gruner & Ja Party zu mir gesagt vor all unseren Leuten die sich darüber beömmelten wie Blöden.

00:09:57: Es war er niedrigend, zumal ich tatsächlich mitspielte und Sonjas beschissenen Hunni nach vollbrachter Leistung in eine Runde pro Seko für alle investierte.

00:10:06: Und mir den restlichen Abend vorkam wie ein Stricher mit Stockhörnsyndrom.

00:10:10: Aus Rache zündete ich je nachts im Bett das Scharmhaar an.

00:10:14: Sonja schlief meist nackt auf dem Rücken und hatte sich zuletzt einen Busch wachsen lassen was zwischen uns immer mal wieder Thema gewesen.

00:10:21: Als sie nun aus dem Schlafhoch schoss und panisch mit der flachen Hand auf ihrem Unterleib herumtrommelte, erschrak ich so sehr über mich selbst, dass sich anfing hysterisch zu gackern.

00:10:32: Und das Ganze wie ein dämlichen Joke-Aussehen ließ.

00:10:37: Dieser Ort und diese Zeit kurz vor und während der Corona-Isolierungen bilden also den breiten Rahmen in dem das Leben reines eingebettet und erzählt wird – er Solifizion des Romans erzählt es Sonja, mit der er sich angefreundet hat.

00:10:58: Wobei nicht recht klar wird warum er ausgerechnet Sonja sein ganzes Leben erzählen wird.

00:11:06: Während Sonjas Geschichte in Erzählgegenwart, der Tortuga Lodz immer wieder mit reines Geschichte in Vergangenheit gegengeschnitten winzigen Eidechsen, die die Wände entlang huschten – Zitat Ende sind wohl Geckos gemeint.

00:11:29: Ist es nun eine Nachlässigkeit des Autors oder die Unkenntnis der Erzählperspektive Sonjas?

00:11:37: Die Geschichte von Reiner macht den größten Teil des Romans aus und ihr größter Teil wiederum spielt in unserer Region genauer im Mainz und Umgebung.

00:11:52: Er wird in der Siedlung, war es wirklich eine Siedelung damals, nahe bei heutiger Uniklinik und Zitadelle als Kind eines Eisenbahners geboren, das sich allmählich zum Inspektor hocharbeitet aber nach einigen erfolgreichen Jahren zunehmend verstummt depressive wird, in der Nervenklinik maltrottiert wird aus dem Reihen gefischt wird, wo er wohl selbst begangen hat.

00:12:25: Nach Kriegskindheit, Abenteuer in Ruinen, Freundschaften und Rangkämpfe mit Kameraden und Konkurrenten ärge in Familie- und Schule aufwachsen in den Fünfzigern und Sechzigern die kleinbürgerliche Enge dieser Jahrzehnte.

00:12:43: politisches Erwachen erste Aufsässigkeiten lange Haare,

00:12:48: Schlaghosen

00:12:49: und Steebluss in den ersten Diskotheken.

00:12:53: Heavy Padding erste Drogenerfahrungen, erste Liebelein.

00:12:59: Gemeinsame Unternehmungen und Konflikte mit den Geschwistern die langsam auseinander wachsen.

00:13:06: Die jüngere Schwester heiratet nach oben und macht geschäftliche Karriere in Düsseldorf.

00:13:13: Der ältere Bruder bleibt bodenständig und bescheiden.

00:13:18: Und Rainer, ehe er sich verseht ist der verheiratet in einer Ehe geschlittert die nicht unglücklich ist aber auch nicht glücklich.

00:13:29: Rainer wechselt Jobs bis er schließlich als Modevertreter im Auftrag der Firma seines Vages richtig Geld

00:13:38: macht.".

00:13:39: Wobei die Abwesenheit aus dem Zuhause seiner gleichgültig geborenen Ehe durchaus gelegen kommt.

00:13:48: Mit dem Geld, das er dabei macht zieht er nach der Aufgabe des Jobs durch wechselnde Länder und Liebschaften in Südamerika.

00:13:59: Ausgebuffte Leser werden vielleicht den Verdacht nicht ganz los, als beschrieb Thorsten Nadelschmidt dieses Szenarien zwischen Bolivien, Venezuela, Peru und Kolumbien.

00:14:11: Als Nachhall einer umfangreichen Lesetour durch die Goethe-Institute dieser Länder.

00:14:19: Trotz durchaus lebendiger und sachkundiger Schilderungen stellt sich eine gewisse Ermüdung ein da jede Station durch neue Liebschaften, durch Erwerb und Renovierung eines Hauses und durch die Etablierung eines Pensionsbetriebes charakterisiert wird.

00:14:37: Die dann regelmäßig wieder aufgegeben werden.

00:14:43: Rainer ist dünnheutig geworden, grantig und aggressiv.

00:14:46: auch viele seiner Gäste kann er kaum noch ertragen Die hochnäsigen Rollos aus der Hauptstadt, für die es nur Bedienstete und Zubedienende gibt.

00:14:54: Die Machus aus Medellinen und aufgetakelten Huren, die ihre Ehefrauen spielen.

00:14:59: Was kosteten wir?

00:15:01: Fünftausend Pesos!

00:15:02: Und für mich?

00:15:03: Für dich sechstausend.

00:15:04: Ihr Paar Isdas habt doch Geld

00:15:06: oder?!

00:15:07: Da lachen sie – das gefällt ihnen….

00:15:09: Reiner aber wieder an dieses Spielchen zunehmend an, genau wie das affektierte Gebaren der internationalen Reiseblogger und Influencer die es schon für eine krasse Erfahrung halten wenn sie mal ein paar Tage nicht heiß duschen oder nicht ihre dämlichen Serien auf dem Laptop glotzen können.

00:15:26: Blasiertes Schwachmaten für die alles nur Kulisse ist und die mit ihren Handys und Kameras über das Gelände pflügen um genau diese Bilder einzufangen die sich schon von tausend anderen Websites Social Media Accounts und YouTube Kanälen kennen.

00:15:39: Die

00:15:39: unverschämtesten Vertreter dieser Zunft wollen im Tausch gegen wohlwollende Berichterstattung umsonst bei ihm übernachten oder andere Vorzugsbehandlungen herausschlagen, was Reiner rundheraus ablehnt wenn auch aus Angst von negativen Bewertungen immer hübsch lächelnd.

00:15:56: Die Gäste mit denen man auch mal eine längere Unterhaltung führen kann und die offen sind sich auf neue Erfahrungen und die Magie des Ortes einzulassen werden immer seltener – die Anspruchshaltung

00:16:06: höher!

00:16:07: Der Tourismus in der Gegend boomt.

00:16:09: In Capuchana sind neue Hotels entstanden, darunter sich als nachhaltig und ekodeklarierende Anwesen mit Autor-Duschen, Solardächern und allen Pipapo.

00:16:19: Jedes Restaurant, jede Kneipe stellt sich krachend laute Boxen vor die Tür.

00:16:24: Aus dem einst verschlafenen Nest ist eine gigantische Freiluftdisco für gelangweite Langweiler aus den wohlhabenden Zentren der westlichen Welt geworden.

00:16:32: Darunter nun auch scharenweise Amerikaner, die auf ihren Sunblast-Touren für ein bis zwei Nächte mit einer alles niederwalzenden Spring Break Mentalität über die Stadt herfallen und noch den harmlosen Teenager auf Drogen oder Sex anquatschen.

00:16:46: Das Internet hat die Hotelbesitzer Capucanas in einen gnadenlosen Konkurrenzkampf versetzt und an manchen Tagen fühlt Rainer sich nur noch wie ein miesbezahlter Angestellter von Booking.com.

00:16:58: Die Lodge ist zu einem Klotz am Bein geworden.

00:17:01: Er will einfach nur noch verkaufen, aber er weiß auch dass das nur gelingen kann wenn er alles einigermaßen in Schuss hält.

00:17:08: also bleibt ihm nichts anderes übrig als weiterhin all seine Zeit seiner Energie und sein Geld hinein zu buttern.

00:17:14: um die Ausgaben zu stemmen braucht er eine möglichst hohe Auslastung mit glücklichen Gästen und fünf Sternebewertungen auf den von ihm zutiefst verachteten Internetplattformen Ein Toiletzkreis

00:17:27: Und mit ihm der Leser.

00:17:30: auf der Spur durch sein Leben, durch wechselnde Länder und Städte Haus- und Liebesprojekte Südamerikas bis er schließlich den einsamen Strand entdeckt.

00:17:43: Auf dem er seinen Resort der Tatuga Lodge

00:17:46: errichtet.".

00:17:49: Am nächsten Morgen, Consuella hat sich gerade von ihm verabschiedet und den Fernseher angelassen bleibt Raina bei einer Sendung über den Choco Hengen einer der entlegensten Provinzen Kolumbiens.

00:17:59: Es geht um einen Ort an der Grenze zu Panama namens Capucana, was in der Sprache der Kuna-Indiana das Land des roten Chili Peppers bedeutet.

00:18:08: Etwa eine Bootsstunde von diesem Ort entfernt haben die Spanier im Jahr fifteen Hundertzehn einer ihrer ersten Siedlungen auf dem amerikanischen Kontinent gegründet.

00:18:16: Santa Maria la Antigua del Darien, die sie aufgrund des erbitterten Widerstands der Ureinwohner schon dreizehn Jahre später wieder aufgegeben mussten und deren Name Rainer seit er als Heranwachsender zum ersten Mal in einem seiner Abenteuer Bücher davon Lars niemals losgelassen hat.

00:18:34: Ein Zeichen?

00:18:35: Möglich, denkt Reiner der nach dem rastlosen Rumgeirre der letzten Monate nach jedem Strohan greift.

00:18:41: Er packt seine Sachen und nimmt den nächsten Bus nach Medellin wo er einen Platz in einer Propellermaschine nach Capucana bucht und zum Flughafen fährt.

00:18:50: Der abenteuerliche Flug führt über dichten Dschungeln und die Sumpfgebiete im Delta des Rio Artrato hinweg und endet auf einer winzigen und von tropischem Regenwald umgeben Piste am Ortsrand von Capucaná.

00:19:04: ist alles andere als berauschend.

00:19:06: Capucana ist ein staubiges und verschlafenes Viertausend Seelenest, in dem es weder Geldautomaten noch Autos her nicht einmal Straßennamen gibt.

00:19:16: Gnadenlos knallt die Mittagssonne auf die tristen flachen Bauten hinab, in deren Schatten abgemagerte Hunde liegen und Träge vor sich hingehen.

00:19:24: Rainer nimmt sich einen Zimmer in einer einfachen Pension im Ortskern um geht runter zum Wasser.

00:19:29: Er setzt sich vor eines der Restaurants an dem kleinen Betriebser am Hafen, bestellt eine gebratene Languste mit Reis und ein kaltes Bier und lässt sein Blick schweifen.

00:19:38: Von seinem Platz aus schaut er geradewegs auf einer Bucht ein paar Kilometer südlich nicht viel mehr als ein schmaler im gleißenden Sonnenlicht fosforizierender Streifen am Horizont.

00:19:49: Was ist das?

00:19:50: fragt er die Kellnerin, als sie das Bier vor ihm abgestellt hat.

00:19:54: Das meinen Sie!

00:19:54: Diese Bucht da drüben.

00:19:56: Ach das!

00:19:57: Das ist solidar!

00:19:59: Ein Dorf?

00:20:00: Eigentlich nur ein paar Häuser.

00:20:01: Unterneben, da ist ein Strand.

00:20:04: Sonst nichts!

00:20:05: Sonst Nichts, sagt die Kellnerin Axel Zuckendt und nimmt die Bestellung am Nebentisch

00:20:10: auf.".

00:20:12: Das war eine Kostprobe in Podcastliteratur.de von Theo Schneider unter Forzerschule Kaiserslautern heute mit einer Probe und einer Kritik aus und über den neuen Roman von Thorsten

00:20:29: Nagelschmied,

00:20:30: der nicht mehr so ganz neu ist.

00:20:33: Er heißt Soldat und erschien bereits zwanzig-vierundzwanzig im Verlag S Fischer.

00:20:40: Er hat vierhundert achtenvierzig Seiten und das Hatkaber kostet sechsundzwantzig Euro.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.